Am von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufenen Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli denkt vermutlich kaum jemand zuerst an Krebs. Doch eine chronische Hepatitis kann die Leber schwer schädigen – und solche Schäden zählen zu den häufigsten Ursachen für Leberkrebs.
Der häufigste Grund für eine Leberentzündung ist in unseren Breiten neben hohem Alkoholkonsum eine Infektion mit den Hepatitisviren B und C. Verläuft diese chronisch, kommt es zu komplexen Prozessen in der Leber, die mit der Vernarbung des Gewebes einhergehen – eine Zirrhose entsteht. Diese gilt als Vorstufe für Leberkrebs. Auch Fettleibigkeit spielt eine immer größere Rolle, da sie ebenfalls zu einer krankhaften Veränderung des Lebergewebes führen kann. Des Weiteren erhöhen Diabetes, Rauchen und einige erblich bedingte Stoffwechselerkrankungen das Erkrankungsrisiko.
Krebs der Leber wird meist spät entdeckt und ist im fortgeschrittenen Stadium schwer behandelbar. Nur etwa 9.000 Neuerkrankungen treten nach Angaben des Robert Koch-Instituts pro Jahr in Deutschland auf, doch gleichzeitig sterben im selben Zeitraum fast 8.000 Menschen daran. Damit gehört Leberkrebs neben Krebs der Bauchspeicheldrüse zu den tödlichsten Krebsarten. Prävention und Früherkennung kommt daher eine große Bedeutung zu.
Erkrankungszahlen nehmen zu, aber Impfungen auch
In den letzten 40 Jahren ist Leberkrebs in der westlichen Welt häufiger geworden – vor allem durch Hepatitis-C-Infektionen aus den 1960er bis 1980er Jahren. Diese wurden oft durch Bluttransfusionen, die damals noch nicht routinemäßig auf Hepatitis-C-Viren getestet wurden, zunehmenden Drogenkonsum mit gemeinsam genutzten Spritzen und ungeschützten Sex übertragen. Da das Virus lange unbemerkt blieb, konnte es chronisch die Leber schädigen – mit Spätfolgen wie Leberkrebs Jahrzehnte später.
Die WHO fordert in ihrer Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung alle Länder ausdrücklich dazu auf, Maßnahmen zur Bekämpfung der Virushepatitis zu ergreifen. In Deutschland ist die Impfung gegen Hepatitis B Teil der Standardimpfungen im Säuglingsalter. Die Wirkung hält lebenslang an. Problematisch ist hierzulande nach wie vor Hepatitis C – bislang gibt es dagegen keine Impfmöglichkeit.
Vorbeugen und Früherkennung sind der Schlüssel Umso wichtiger ist es, die Erkrankung früh zu erkennen, noch bevor sie die Leber schädigen kann. Im Rahmen des Gesundheits-Check-ups können gesetzlich Versicherte ab 35 sich einmal auf Hepatitis B und C checken lassen. Wird die Erkrankung erkannt, lässt sich die Vermehrung der Viren durch Medikamente bremsen und so den langfristigen Folgen der Infektion vorbeugen. Menschen, die bereits eine bekannte Leberzirrhose oder chronische Hepatitis haben, wird aktuell eine regelmäßige Ultraschallkontrolle angeboten, um Verschlechterungen zu erkennen.
Zudem suchen Forschungsteams im Dekaden-geförderten Verbundprojekt LiSyM-Krebs nach weiteren Ansatzpunkten zur Verbesserung von Früherkennung und Prävention. Dafür wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die biologischen Schlüsselprozesse aufdecken, die zu Leberkrebs führen. Sie suchen nach Biomarkern, also Molekülen im Blut, die auf Leberkrebs im Frühstadium hinweisen. Zudem wollen sie Krankheits- und Behandlungsverlauf besser vorhersagbar und individualisierte Therapien möglich machen.