"Forschung ist die zentrale Grundlage für Fortschritt"
Matthias Hauer ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Nun übernimmt er den Vorsitz des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs. Lesen Sie im Interview, welche Impulse er setzen möchte.
Was motiviert Sie persönlich, den Vorsitz des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) zu übernehmen?
Krebs betrifft uns alle. Jede zweite Person in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens daran – mit tiefgreifenden Folgen für Betroffene, Angehörige, das Gesundheitssystem und die gesamte Gesellschaft. Diese Dimension macht deutlich, warum wir die Erforschung und Bekämpfung von Krebserkrankungen weiter entschlossen vorantreiben müssen.
Mich persönlich motiviert dabei vor allem die Überzeugung, dass Forschung die zentrale Grundlage für Fortschritt ist. Sie eröffnet neue Wege in der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung. Gleichzeitig sehe ich die große Chance, die Ausrichtung der Forschung konsequent an den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten auszurichten. Genau dafür steht die Nationale Dekade gegen Krebs: Forschung soll nicht nur exzellente Wissenschaft sein, sondern Menschen ganz konkret helfen und zwar mit besseren Heilungschancen, höherer Lebensqualität und mehr Teilhabe.
Den Vorsitz im Strategiekreis der NDK zu übernehmen, bedeutet für mich auch, gemeinsam mit engagierten Partnern aus Forschung, Versorgung, Politik und Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Langfristige Verbesserungen für die an Krebs erkrankten Menschen können wir in Deutschland nur gemeinsam erzielen.
Welche Ziele und Themen stehen für Sie bei der NDK im Mittelpunkt?
Das erklärte Ziel der Dekade ist es, der Krebsforschung in Deutschland neuen Schwung zu geben. Das bleibt natürlich weiterhin zentral. Dabei geht es nicht allein um medizinisch-technologischen Fortschritt, sondern auch um einen Kulturwandel: Die Forschung muss Patientinnen und Patienten konsequent mitdenken und einbeziehen. Sie sind schließlich Expertinnen und Experten in eigener Sache. Hier sehe ich ein Kernthema, dem wir uns weiter verstärkt widmen müssen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für mich die Enttabuisierung von Krebs. Trotz medizinischer Fortschritte bleibt Krebs für viele Menschen ein Tabuthema. Wir brauchen eine offene gesellschaftliche Auseinandersetzung, um über Risiken aufzuklären, die Prävention zu stärken und Betroffene nicht allein zu lassen.
Die NDK ist dabei eine Gemeinschaftsaufgabe. Deshalb gilt es, auch neue Partner zu gewinnen und bereits Etablierte weiter zu motivieren, sich im Rahmen der Dekade verstärkt zu engagieren. Darüber hinaus wollen wir die NDK stärker mit europäischen Initiativen verknüpfen. Viele Herausforderungen im Bereich Krebs lassen sich nur grenzüberschreitend bewältigen.
Welche Maßnahmen sind von der NDK als nächstes zu erwarten?
Wir werden den Themenkomplex „Alter und Krebs“ verstärkt in den Blick nehmen. Wir wissen, dass die Zahl der Krebsneuerkrankungen mit dem demografischen Wandel weiter steigen wird. Darum möchten wir die Erkenntnisse und Empfehlungen aus dem Strategiekreis und den Arbeitsgruppen nun hier im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt in konkrete Aktivitäten überführen, zusammen mit unseren Partnern und Unterstützern. Wir wollen diesem gesellschaftlich wichtigen Thema mehr Sichtbarkeit verschaffen und Maßnahmen entwickeln, die gerade auch älteren Menschen zugutekommen.
Ein Highlight für mich wird die Veranstaltung „Rising Stars in Oncology“ im Oktober sein. Hier wollen wir gezielt junge Forscherinnen und Forscher aus dem NDK-Umfeld mit etablierten Fachleuten der Krebsforschung zusammenbringen. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein klarer Fokus der NDK, denn Fortschritt lebt von neuen Perspektiven, frischen Ideen und langfristigem Engagement.
Mit beidem – dem Fokus auf Alter und Krebs sowie der Nachwuchsförderung – setzt die Dekade wichtige Impulse. Sie zeigen exemplarisch, wie die NDK Forschungsfragen mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet und gleichzeitig den Dialog mit neuen Zielgruppen sucht.
Mit Spannung kann auch auf die ersten Ergebnisse aus den bisher geförderten Forschungsprojekten der Dekade geblickt werden, anhand derer wir zeigen werden können, wie unsere Projekte zum Fortschritt in der Krebsforschung beitragen.