„Ich will mein Leben genießen.“
Daniel Kloß erhielt vor drei Jahren die Diagnose alveoläres Weichteilsarkom, ein bösartiger Tumor. Die Erkrankung ist selten und kaum erforscht. Er wünscht sich daher weitere Bemühungen um mehr Informationen und gezielte Therapien.
Daniel Kloß erhielt vor drei Jahren die Diagnose alveoläres Weichteilsarkom, ein bösartiger Tumor. Die Erkrankung ist selten und kaum erforscht. Er wünscht sich daher weitere Bemühungen um mehr Informationen und gezielte Therapien.
Herr Kloß, als Feuerwehrmann ist es Ihre Aufgabe, anderen Menschen zu helfen. Wie hat Sie die Erfahrung, durch die Krebserkrankung plötzlich selbst auf Unterstützung angewiesen zu sein, geprägt?
Als Feuerwehrmann hört man sehr selten ein „Danke“, das wollte ich bewusst anders machen. Ich war, besonders während der Zeit im Krankenhaus, sehr dankbar für die freundliche und einfühlsame Hilfe der Krankenpflegerinnen und -pfleger und habe das auch immer wieder zum Ausdruck gebracht. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt, daher konnte ich Hilfe gut annehmen. Durch die Erfahrung dieses „Seitenwechsels“ habe ich sowohl die Wichtigkeit gegenseitiger Hilfe verstanden als auch die Wichtigkeit gegenseitiger Wertschätzung und des Danksagens.
Welche Reaktionen von Ihren Angehörigen und Freunden haben Sie nach Ihrer Krebsdiagnose erlebt?
Das waren sehr unterschiedliche Reaktionen, die mich teils überrascht und verletzt haben. Freunde, die ich bis dahin als sehr gute Freunde bezeichnet hätte, haben sich komplett von mir abgewandt, waren plötzlich verschwunden.
Ich denke, sie konnten mit meiner Diagnose, insbesondere mit der sehr schlechten Prognose nicht umgehen. Und auch nicht mit meiner Schwäche, v.a. der körperlichen. Nach einer größeren OP saß ich lange Zeit im Rollstuhl, erst langsam kann ich wieder laufen, zunächst mit Gehhilfen, jetzt nach einem Jahr ohne Gehilfen. Es ist schade, dass wir nicht ins Gespräch darüber kommen konnten, aber offenbar ist die Angst, die eine solche Krebsdiagnose auslöst, so groß, dass sie auch Menschen erfasst, die sie gar nicht direkt betrifft.
Gleichzeitig sind die Menschen, die an meiner Seite geblieben sind, noch näher herangerückt und so sind auch neue, tiefe Beziehungen entstanden. Ich bin nicht allein, sondern habe liebe Eltern und Freunde und Bekannte um mich, die nicht nur den Kranken in mir sehen und mich als „Daniel“ behandeln, der ich trotz allem ja geblieben bin. Ich möchte mein Leben, jeden einzelnen Tag, genießen, auch wenn ich krank bin. Und natürlich ist es schöner, dies mit anderen teilen zu können.
Sie engagieren sich in der Ausbildung von Feuerwehrkräften. Wie offen ist dort der Umgang mit Krebs und wie sind Sie mit Ihrer Erkrankung dabei umgegangen?
Ich selbst gehe in den Grundlehrgängen mit Teilnehmenden in unterschiedlichsten Altersklassen, die ich durchführe, von Anfang an mit meiner Erkrankung sehr offen um. Ich möchte, dass Fragen direkt an mich gestellt werden, nicht hinter vorgehaltener Hand. Das macht es für beide Seiten einfacher: Ich muss kein unsicheres Wegschauen hinnehmen und der oder die anderen müssen keine vermeintlichen Fettnäpfchen meiden. In meinen Lehrgängen führt das zu einem insgesamt offenen und vertrauensvollen Umgang.
Derzeit wächst in der Feuerwehr ein stärkeres Bewusstsein für die Einsatzhygiene. Das meint zum Beispiel, dass die gesamte Schutzkleidung direkt nach den Brandeinsätzen gewechselt wird und die dekontaminierte Schutzkleidung in speziellen Waschmaschinen und mit entsprechenden Waschmitteln gesäubert wird. Die Dämpfe, die sich durch Feuer verbreiten und in die Schutzkleidung eindringen, können krebserregend sein, daher ist mir das sehr wichtig.
Wie kamen Sie zum Heldenhilfe e.V.? Welche Unterstützung haben Sie erhalten und was wünschen sich Betroffene besonders?
Der Verein bietet Unterstützung für krebserkrankte Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungswesens, ich bin auf ihn in den Sozialen Medien aufmerksam gemacht worden. Nach dem Erstkontakt habe ich ein Erste-Hilfe-Paket erhalten, mit Informationsmaterial, dem Angebot zur Zweitmeinungsvermittlung – und vor allem: mit einem Kontakt zum Reden, der über Social Media auch immer erreichbar ist. Das war am hilfreichsten für mich. Ich habe gute und schlechte Tage und in den schlechten Momenten ist es gut, mit jemandem darüber sprechen zu können.
Ich möchte, dass dies auch anderen Krebspatientinnen und -patienten zugutekommen kann, daher engagiere ich mich bei der Heldenhilfe ehrenamtlich als Kommunikator.
Der Heldenhilfe e.V. ist Unterstützer der Krebsforschungsinitiative Nationale Dekade gegen Krebs. Welche Hoffnung verbinden Sie mit der Krebsforschung in Deutschland?
Ich habe eine seltene und unheilbare Erkrankung, die kaum erforscht ist. Es gibt kaum spezifische Informationen zum alveolären Weichteilsarkom und auch keine Therapien nur für diese Krebsart. Daher wünsche ich mir natürlich, dass sie mehr erforscht wird.
Über die Yeswecan!cer-App, mit der man sich mit anderen Patienten vernetzen kann, habe ich eine weitere Person mit derselben Diagnose in ganz Deutschland gefunden. Leider lebt sie nicht in der Nähe, aber digital können wir uns austauschen, immerhin. Auch von solchen Angeboten wünsche ich mir mehr, gerade für Patientinnen und Patienten seltener Krebsformen.