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Patientinnen und Patienten für die aktive Beteiligung an klinischen Studien stärken

Die Beteiligung an einer klinischen Studie kann für viele Patientinnen und Patienten eine wichtige Möglichkeit sein, ihre Interessen einzubringen. Zugleich gewinnt die Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse aus der Perspektive und den Erfahrungen der Betroffenen. Das KOMPART Projekt will nun dafür sorgen, dass Betroffene Forschungsabläufe besser nachvollziehen und so aktiver mitwirken können. 

Wer entscheidet eigentlich, welche Fragen in der medizinischen Forschung wie untersucht werden? Und welche Rolle spielen dabei die Menschen, die von den Forschungsergebnissen betroffen sind? Patientinnen, Patienten und Patientenvertretungen verfügen über wertvolles Erfahrungswissen, das die Forschung bereichern kann: Betroffene frühzeitig einzubinden kann helfen, Rekrutierung, Forschungsfragen oder Studiendesign stärker an deren Bedürfnissen auszurichten. Zudem können Patientinnen und Patienten beurteilen, ob Patienteninformationen verständlich und adressatengerecht gestaltet sind. Doch um sich aktiv an Forschungsprojekten beteiligen zu können, braucht es Wissen über Abläufe, Methoden und Mitwirkungsmöglichkeiten. Das Projekt „KOMPART – Kompetenzaufbau für Patient:innen zur aktiven Partizipation in der Gesundheitsforschung“ des Berlin Institute of Health (BIH) der Charité möchte genau dieses Wissen vermitteln und Betroffene dabei unterstützen, Forschung aktiv mitzugestalten.

In der Krebsforschung gibt es bereits unterschiedliche Aktivitäten, u.a. am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT): Mit der Patienten Experten Akademie (PEAK) werden Menschen mit und nach einer Krebserkrankung systematisch auf ihre Rolle als Patientenvertreterinnen und -vertreter vorbereitet. An diese Erfahrungen knüpft das KOMPART-Projekt an und überträgt den Ansatz auf die krankheitsübergreifende Forschung.

Warum Betroffene mehr Wissen brauchen

In den letzten Jahren wurde die Forderung, Betroffene aktiv in die Forschung einzubinden, in die Standards zur Planung und Durchführung klinischer Studien aufgenommen, nicht zuletzt auch durch die vielfältigen Aktivitäten im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs. „Allerdings haben Forschende häufig Schwierigkeiten, Patientinnen und Patienten für ihre Projekte zu gewinnen“, beschreibt KOMPART-Projektleiterin Dr. Sarah Weschke ihre Erfahrungen aus der Praxis. „Zwar ist tieferes Wissen zur Gesundheitsforschung nicht bei allen Projekten notwendig, um eigene Erfahrungen und Perspektiven in Forschungsprojekte einzubringen, aber die Aufgaben werden komplexer.“ Am BIH unterstützt sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, Betroffene möglichst frühzeitig in Studien einzubinden, auch schon in die Planung von Studien oder anderen Forschungsprojekten.  

Heutzutage gehen die Aufgaben, die Patientinnen und Patienten und ihre Vertretungen in Projekten übernehmen, häufig über das Teilen persönlicher Erfahrungen hinaus: Zunehmend geht es um das Mitdenken bei Studienkonzepten, Ein- und Ausschlusskriterien oder Informationsmaterialien bis hin zur Begutachtung von Forschungsanträgen. Aber wer sich in der klinischen Forschung engagieren möchte, bewegt sich in einem Umfeld, das von spezialisierten Methoden, Fachsprache und komplexen Entscheidungswegen geprägt ist. Damit sich Betroffene aktiv beteiligen können, braucht es verständliche und zugängliche Informationen. Diese Lücke will KOMPART helfen zu schließen.

Artikelbild KOMPART
© Robert Kneschke

Beispiel Patientenbeteiligung in der Krebsforschung

In der Krebsforschung gibt es bereits Weiterbildungsangebote zur Patientenbeteiligung: „Die Einrichtung der PEAK im Zuge der Erweiterung der Nationalen Centren für Tumorerkrankungen, bei denen die Institutionalisierung der aktiven Beteiligung von Betroffenen eine große Rolle spielte, sehen wir als ein sehr positives Beispiel an“, sagt Weschke. Mitglieder des NCT bringen ihre Erfahrungen daher auch in den Projektbeirat von KOMPART ein.

Während PEAK sich speziell an Betroffene von Krebserkrankungen richtet, entwickelt KOMPART ein krankheitsübergreifendes Weiterbildungsangebot. Es richtet sich an Patientinnen und Patienten, die in unterschiedlichen Fachgebieten – etwa chronische oder seltene Erkrankungen – in Studien mitwirken wollen. „Wir schaffen eine gemeinsame Basis, auf der später auch krankheitsspezifische Angebote aufbauen können“, erklärt Weschke. 

Ein Weiterbildungsformat zum Verständnis des „Lebenszyklus“ klinischer Studien

Herzstück von KOMPART ist die partizipative Entwicklung eines modularen Online-Weiterbildungsformats, das bundesweit zugänglich sein soll. In mehreren kompakten Modulen wird der „Lebenszyklus“ klinischer Studien im akademischen Umfeld verständlich gemacht. Teilnehmende können beispielsweise lernen, welche Rahmenbedingungen klinische Forschung hat, wie eine Studie abläuft, wer beteiligt ist und welche Mitwirkungsmöglichkeiten bestehen.

Die konkreten Inhalte werden gemeinsam mit Betroffenen entwickelt. Von Beginn an arbeitet auch ein transdisziplinär besetzter Projektbeirat mit: „Wir holen früh Rückmeldungen ein, sowohl von Mitarbeitenden von Forschungsteams als auch von Betroffenen, die bereits als Vertreterinnen und Vertretern aktiv sind.“ Bei der finalen Ausarbeitung der Module legt das Projektteam einen besonderen Fokus darauf, wissenschaftliche Inhalte und praxisorientierte interaktive Lernformate zu verbinden. „Uns ist wichtig, dass Menschen nach der Schulung wissen: An dieser Stelle kann ich meine Perspektive einbringen und so sieht das in der Praxis aus“, sagt Weschke. Darüber hinaus wird die Weiterbildung projektbegleitend evaluiert, um Daten zur Qualität, Akzeptanz und Machbarkeit zu gewinnen. Die Ergebnisse werden unter anderem dazu genutzt, Erkenntnisse aus dem Programm auch in Zukunft zu verwerten. 

Damit Beteiligung auch Wirkung entfaltet, braucht es neben Qualifizierung auch Strukturen und Qualitätsmaßstäbe. Weschke hat hierzu gemeinsam mit einer Patientenvertreterin und weiteren Akteurinnen und Akteuren aus der Gesundheitsforschung die Arbeitsgruppe „Qualität und Impact von Beteiligungsprozessen“ im Netzwerk Partizipative Gesundheitsforschung gegründet. Dort werden aus verschiedenen Perspektiven Erfahrungen ausgetauscht, wie Patientenbeteiligung verankert und besser nachvollziehbar gemacht werden kann. Denn: „Es ist nicht Teil von KOMPART, aber auch Forschende sollten sich auf die Zusammenarbeit mit Patientinnen und Patienten vorbereiten.“ Nur so kann eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingen. 

KOMPART ist ein Baustein zur Förderung günstiger Rahmenbedingungen für Partizipation in Forschung entsprechend der Partizipationsstrategie Forschung.

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