FDZ Gesundheit eröffnet: Neue Datenkraft für die Krebsforschung
Mit der offiziellen Eröffnung des Forschungsdatenzentrums Gesundheit (FDZ Gesundheit) am 9. Oktober 2025 steht der Wissenschaft erstmals ein strukturierter Zugang zu Abrechnungsdaten von rund 74 Millionen gesetzlich Versicherten zur Verfügung. Für Forschende bedeutet das ein bislang unerreichter Schatz an realitätsnahen Gesundheitsinformationen und für Patientinnen und Patienten neue Hoffnung auf bessere Therapien.
„Gerade in der Krebsforschung ist der Zugang zu hochwertigen, strukturierten und datenschutzkonformen Patientendaten eine Voraussetzung für neue Therapien“, betonte Prof. Michael Hallek zur Eröffnung des FDZ Gesundheit. Als Mitglied des Strategiekreises der Nationalen Dekade gegen Krebs unterstrich er damit die Bedeutung des neuen Datenzentrums für die onkologische Forschung. Gesundheitsministerin Nina Warken sprach bei der Eröffnung in Berlin von einem „Paradigmenwechsel für Wissenschaft, Versorgung und den Forschungsstandort“.
Das FDZ Gesundheit bietet eine sichere Verarbeitungsumgebung für medizinische Forschung, angesiedelt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Es macht die Auswertung mit pseudonymisierten Daten aus der gesetzlichen Krankenversicherung möglich – darunter Diagnosen, Behandlungen, Arzneimittelverordnungen, Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte. Die Daten stammen aus den Jahren 2009 bis 2023 und werden kontinuierlich ergänzt.
Warum ist das FDZ Gesundheit so wichtig für die Krebsforschung?
Krebs ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Gesichtern. Umso wichtiger sind große, repräsentative Datenmengen, die Muster erkennen lassen: Welche Therapien wirken bei wem? Wie hoch sind Rückfallraten? Gibt es regionale Unterschiede in der Versorgung? Das FDZ Gesundheit ermöglicht solche Analysen und damit evidenzbasierte Erkenntnisse, die über klassische Studien hinausgehen.
Auch KI-gestützte Vorhersagen werden möglich: etwa zur Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls oder zur optimalen Therapieentscheidung in bestimmten Konstellationen. Die Kombination von Routinedaten mit Registerdaten – etwa aus den klinischen Krebsregistern – eröffnet neue Perspektiven für die personalisierte Medizin.
Ausbau der Datenbasis
Schon jetzt ist klar: Das FDZ Gesundheit ist erst der Anfang. Ab Ende 2026 sollen auch Daten aus der elektronischen Patientenakte integriert werden – sofern die Versicherten nicht widersprechen. Diese Daten enthalten wertvolle Informationen zu Medikationsplänen, Laborwerten oder individuellen Risikofaktoren und können die Forschung weiter beflügeln.
Auch die Arbeit mit Krebsregisterdaten und Informationen aus dem Europäischen Gesundheitsdatenraum soll künftig möglich gemacht werden. Ziel ist eine vernetzte Datenlandschaft, die Forschung und Versorgung enger zusammenbringt – ein zentrales Anliegen der NDK und ihrer Arbeitsgruppe „Wissen generieren durch Vernetzung von Forschung und Versorgung“.
Mehr Wirkung für mehr Menschen
Patientinnen und Patienten sollen vom FDZ Gesundheit durch bessere Therapien, weniger Fehlmedikation und schnellere Arzneimittelentwicklung profitieren. Denn je mehr über reale Krankheitsverläufe bekannt ist, desto gezielter kann behandelt werden. Das FDZ Gesundheit hilft, Versorgungslücken zu erkennen, neue Versorgungsformen zu entwickeln und die Qualität der Behandlung zu verbessern. Gleichzeitig stärkt das FDZ Gesundheit den Forschungsstandort Deutschland und macht ihn fit für die datengetriebene Medizin der Zukunft.
Zugang mit Verantwortung
Der Zugang zum FDZ Gesundheit ist klar geregelt: Forschende aus Universitätskliniken, öffentlichen Forschungseinrichtungen oder auch aus der Industrie können einen Antrag stellen. Voraussetzung ist ein klar definierter Nutzungszweck, der der Verbesserung der Gesundheitsversorgung dient. Jedes Forschungsvorhaben wird sorgfältig geprüft und ist öffentlich einsehbar. Ein zentrales Anliegen des FDZ Gesundheit, das mit höchsten Sicherheitsstandards arbeitet: Forschende erhalten keinen direkten Zugriff auf die Rohdaten, sondern arbeiten in einer sicheren Verarbeitungsumgebung mit speziell zugeschnittenen Datensätzen. So bleibt der Datenschutz gewahrt.
Ein Meilenstein für die Krebsforschung
Mit dem FDZ Gesundheit beginnt ein neues Kapitel in der medizinischen Forschung. Die Kombination aus umfassenden Daten, sicherer Infrastruktur und klaren Regeln schafft eine solide Basis für wissenschaftlichen Fortschritt und für eine Versorgung, die sich an den echten Bedürfnissen der Menschen orientiert.