Eine Krebsoperation, besonders im Bauchraum, belastet den Körper stark. Die PREHAB Studie prüft, ob gezielte Bewegung, Ernährung und psychologische Unterstützung vor dem Eingriff Komplikationen mindern und die Genesung fördern können.
In Deutschland werden jährlich circa 85.000 Patientinnen und Patienten wegen Magen-Darm-Krebs operiert. Der Fokus liegt dann häufig auf dem Tag des Eingriffs. Doch schon die Zeit davor könnte bedeutend für den Behandlungserfolg sein. „Die Behandlung beginnt lange vor dem ersten Schnitt“, sagt Prof. Dr. med. Robert Schier vom Klinikum Fulda, Leiter der PREHAB-Studie. „Große onkologische Operationen fordern den Körper enorm“. Viele Betroffene sind zu dem Zeitpunkt bereits durch die Krankheit selbst oder durch vorausgehende Chemo- oder Strahlenbehandlung geschwächt, die den Tumor verkleinern soll und oft erst operabel macht. Dazu kommen bei einigen noch Vorerkrankungen oder eine bereits zuvor eingeschränkte Fitness.
Hier setzt PREHAB an. Das Programm bereitet Patientinnen und Patienten gezielt auf die geplante Krebsoperation vor. Im Mittelpunkt stehen ein individuelles Bewegungsprogramm, eine ernährungsmedizinische Begleitung und psychologische Unterstützung. Ziel ist es, die Belastungsfähigkeit zu verbessern oder zumindest einem weiteren Abbau entgegenzuwirken. „Damit lassen wir die Zeit hinter uns, in der Patientinnen und Patienten untätig auf ihre Operation gewartet haben“, erklärt Schier.
Was Bewegung bewirken kann
Studien und Vorarbeiten zeigen: Körperliches Training aktiviert wichtige biologische Prozesse. Es stärkt die Herz Lungen Fitness, fördert die Wundheilung und der Körper lernt, besser mit Entzündungen umzugehen. Das war anfangs besonders überraschend für Schier: „Sport führt zunächst zu Entzündungen, über einen längeren Zeitraum passt sich der Körper aber an und reguliert diese Entzündung herunter. Die Hypothese ist nun, dass der trainierte Patient mit einem Trauma wie einem chirurgischen Eingriff besser klarkommt, beispielsweise auch bei einer schweren Komplikation wie einer Blutvergiftung.“
Zudem unterstützt Bewegung das Immunsystem. Auch die Bildung roter Blutkörperchen kann unterstützt werden, was Müdigkeit und Erschöpfung entgegenwirkt. Untersucht wird zudem, ob Bewegung auch geistige Komplikationen wie ein Delir – ein Verwirrtheitssyndrom, das vor allem ältere Menschen nach Operationen betrifft – reduzieren könnte.
Training, Ernährung, Stressresistenz: die Vorbereitung vor der OP
So läuft die Studie ab: Krebserkrankte, bei denen zwischen Diagnose und Operation mindestens vier Wochen Zeit bleiben, trainieren drei Mal pro Woche jeweils 50 Minuten Kraft- und Ausdauer, um die Fitness in kurzer Zeit zu steigern. Ergänzend erhalten die Patientinnen und Patienten eine individuelle Ernährungsberatung, um einer tumorbedingten Auszehrung entgegenzuwirken sowie psychologische Unterstützung, etwa durch das Erlernen von Entspannungstechniken gegen Stress und Ängste.
Vor Beginn des Programms und danach untersuchen die Forschenden Fitness, Ernährungszustand, Ängstlichkeit und depressive Symptome sowie verschiedene Blutwerte, die Auskunft über Entzündungsstatus, Blutgesundheit und Immunsystem geben. Nach der Operation dokumentieren sie Komplikationen, die Dauer des Krankenhausaufenthalts und die Entwicklung der Lebensqualität. Der Vergleich mit einer Gruppe, die das spezielle Programm nicht durchläuft, soll dann belastbare Daten über die Effekte liefern.
Das Trainingsprogramm wurde gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln und der Technischen Universität in Dortmund entwickelt und speziell auf die Bedürfnisse schwerkranker Menschen zugeschnitten. Organisiert wird die Studie von Fulda aus und durchgeführt wird sie den Universitätsklinken in Köln, Berlin, Tübingen und Mainz. Dabei wird das Projekt von der der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 3,4 Millionen Euro gefördert.
Schneller zurück ins Leben
Die Studie nimmt Komplikationen und Genesungszeit in den Wochen nach der Operation in den Blick. Dabei geht es nicht nur um Messwerte, sondern um das, was Patientinnen und Patienten im Alltag spüren. Ihr Befinden wird im Verlauf der Studie regelmäßig von Psychologinnen und Psychologen telefonisch erfragt. „Für Menschen mit Krebs ist es nicht allein wichtig, eine Operation zu überstehen. Sie wollen schnell in ihren Alltag, zu ihren Angehörigen zurückkehren“, sagt Schier. Entscheidend für den weiteren Verlauf sei auch, ob weitere Therapien planmäßig beginnen können.
Besonders deutlich profitieren nach bisherigen Beobachtungen Patientinnen und Patienten mit geringer Fitness. „Schon ein wenig Training kann bei ihnen viel bewirken“, so Schier. Grundlage dafür ist eine erste Pilotstudie bei Patientinnen und Patienten, die aufgrund von Dickdarmkrebs operiert werden mussten. Hier zeigten sich erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen guter körperlicher Fitness und geringeren Komplikationsraten.