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Daten vernetzen, Wissen nutzen

Ein wissenschaftliches Fachgutachten liefert eine umfassende Analyse und konkrete Empfehlungen, wie Forschung und Versorgung in der Onkologie besser zusammenarbeiten können. Das Ziel: schnellere Erkenntnisse und bessere Therapien.

Wie können Forschung und Versorgung in der Krebsmedizin besser zusammenarbeiten? Ein vom Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs beauftragtes Fachgutachten zeigt, wo strukturelle und systemische Verbesserungen nötig sind, um den Zugang zu Versorgungsdaten zu erleichtern, die Krebsforschung zu beschleunigen und neue Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis zu bringen.

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Prof. Dr. Olaf Ortmann, Deutsche Krebsgesellschaft, leitet mit Claudia Siepmann, Bundesministerium für Gesundheit, gemeinsam die Arbeitsgruppe „Vernetzung“ in der Nationalen Dekade gegen Krebs. Als Mitglied des Expertenbeirats wirkte Prof. Ortmann zudem beratend an der Erstellung des Gutachtens mit. 

„Vernetzung ist der Schlüssel, um Forschungsergebnisse schneller in die Versorgung zu bringen.“ – Prof. Dr. Olaf Ortmann

Die Nationale Dekade gegen Krebs treibt den Ansatz seit ihrem Start vor mehr als 6 Jahren gezielt voran. Die Arbeitsgruppe Wissen generieren durch Vernetzung von Forschung und Versorgung hat frühzeitig auf die Bedeutung dieses Datenflusses hingewiesen und eine Analyse angestoßen. Das daraus entstandene Gutachten wurde von einem interdisziplinären Expertenbeirat mit starker Beteiligung aus der Dekade begleitet.

Wissen generierende Versorgung: großes Potenzial 

Zentrales Konzept ist die Wissen generierende Versorgung. Sie nutzt Daten aus der Behandlung nicht nur für die individuelle Therapie, sondern auch für Forschung und Qualitätssicherung. So lassen sich Behandlungserfolge besser nachvollziehen und die Versorgung gezielt verbessern. 

Ein Beispiel: Genomdaten helfen, Tumore gezielt zu behandeln. Gleichzeitig liefern Rückmeldungen aus der Praxis wichtige Hinweise, wie diese Therapien weiterentwickelt werden können – etwa bei bestimmten Patientengruppen oder Nebenwirkungen.

Sieben Handlungsfelder für die Zukunft 

Das Gutachten zeigt, dass die Wissen generierende Versorgung bereits in Ansätzen Realität ist. Doch um ihr volles Potenzial zu entfalten, braucht es gezielte Verbesserungen. Bestehende Strukturen sind oft noch nicht ausreichend miteinander verknüpft. Das Gutachten benennt sieben zentrale Handlungsfelder, die den Weg zu einem lernenden Gesundheitssystem ebnen:

  1. Innovative Therapien schneller verfügbar machen
    Deutschland bietet bereits guten Zugang zu neuen Behandlungen. Studien und Off-Label-Anwendungen sollten gezielt ausgebaut werden, damit mehr Betroffene frühzeitig profitieren.
  2. Gesundheitsdaten besser nutzbar machen
    Viele Daten sind vorhanden, aber oft schwer zugänglich. Versorgungsdaten sollen auffindbar, interoperabel und wiederverwendbar sein. Eine bessere digitale Infrastruktur und klare Regeln zur Datenverknüpfung – etwa über die elektronische Patientenakte – können hier helfen.
  3. Daten klug auswerten
    Moderne Analyseverfahren und Künstliche Intelligenz kommen bereits zum Einsatz. Vereinfachte Zugänge und mehr Unterstützung für Forschende können die Nutzung weiter verbessern – auch direkt im Klinikalltag.
  4. Lernfähigkeit onkologischer Versorgung stärken
    Netzwerke, Leitlinien und Qualitätssicherung sind vorhanden – sie sollten weiterentwickelt und ausgebaut werden, um einer Fragmentierung der Versorgungsstrukturen entgegen zu wirken. Fachkräfte brauchen mehr Schulung im Umgang mit Versorgungsdaten.
  5. Patientinnen und Patienten stärker einbeziehen
    Die Beteiligung von Krebserkrankten wächst. Digitale Lösungen wie eine Patientenakte und Schulungen für Patientenvertretungen können die Mitwirkung weiter stärken.
  6. Gemeinsame Steuerung verbessern
    Die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Versorgung und Behörden funktioniert. Klare gesetzliche Rahmenbedingungen können Prozesse beschleunigen und vereinfachen.
  7. Erfolge sichtbar machen
    Wissensgewinn findet statt, doch wie wirkt er sich aus? Eine systematische Bewertung soll zeigen, wie neue Ansätze die Versorgung tatsächlich verbessern.

Das BMG wird die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen eng begleiten. Die Ergebnisse fließen in die Arbeit aller drei Arbeitsgruppen der Nationalen Dekade gegen Krebs ein.

Zwei Säulen, ein Ziel

Die Nationale Dekade gegen Krebs und der Nationale Krebsplan (NKP) sind zwei zentrale Säulen der deutschen Krebsstrategie. Während der NKP seit 2008 die Versorgungsqualität und Strukturentwicklung vorantreibt, setzt die NDK seit 2019 gezielt auf die Stärkung der Krebsforschung und den Wissenstransfer. 
Die Steuerungsgruppe des NKP arbeitet eng mit dem Strategiekreis der NDK zusammen. Das aktuelle Gutachten ist ein Paradebeispiel dieser Zusammenarbeit.

Forschungsdatenzentrum als Meilenstein

Ein erster konkreter Schritt ist bereits getan: Mit dem neuen Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukt (BfArM) entsteht eine zentrale Infrastruktur, die den Zugang zu Versorgungsdaten für die Forschung deutlich verbessert. Gesundheitsdaten – auch für die Krebsmedizin – können dort künftig sicher und datenschutzkonform genutzt werden. So wird Wissen aus der Versorgung gezielt in neue Therapien übersetzt und der Weg zu einem lernenden Gesundheitssystem weiter geebnet.

Fortschritt, der bei den Menschen ankommt

Für die Nationale Dekade gegen Krebs bedeutet das Gutachten einen strategischen Meilenstein. Es liefert eine fundierte Grundlage für politische sowie wissenschaftliche Entscheidungen und zeigt, wie durch kluge Vernetzung und datenbasierte Erkenntnisse ein System entstehen kann, das nicht nur schneller lernt, sondern besser heilt.

Die enge Zusammenarbeit mit der Steuerungsgruppe des Nationalen Krebsplans unterstreicht: Wenn Versorgung und Forschung gemeinsam gedacht werden, entsteht echter Fortschritt für die Wissenschaft und vor allem für die Menschen, die mit Krebs leben.

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