Bluttest statt Biopsie: Forschung zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Wie lässt sich Bauchspeicheldrüsenkrebs früh erkennen – ganz ohne belastende Eingriffe? Ein neues Verfahren analysiert Tumor-DNA direkt aus dem Blut und liefert präzise Hinweise. Es könnte den Weg zur breiten Früherkennung ebnen.
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den besonders herausfordernden Krebsarten. Das liegt vor allem daran, dass er lange keine Beschwerden verursacht und deshalb oft erst spät entdeckt wird, wenn eine Heilung nur noch schwer möglich ist. Anders als bei Brust- oder Darmkrebs gibt es bislang keine Früherkennungsuntersuchung für die breite Bevölkerung. Das könnte sich bald ändern.
Bluttest als Schlüssel zur Früherkennung
Forschende des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart haben gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen und dem Unternehmen Genedata ein neues Verfahren entwickelt, das Hoffnung macht: Mit einer Flüssigbiopsie – auch Liquid Biopsy genannt – lässt sich Bauchspeicheldrüsenkrebs bereits im Frühstadium erkennen. Und das allein durch eine Blutprobe. „Man muss keine Biopsie der Bauchspeicheldrüse vornehmen, sondern kann Blut beispielsweise aus der Armbeuge entnehmen, um darin Tumor-DNA zu finden“, erklärt Dr. Kai Sohn, Leiter der Abteilung In-vitro-Diagnostik am Fraunhofer IGB.
Tumorsignaturen in zellfreier DNA
Bei der Liquid Biopsy wird mithilfe einer Zentrifuge Blutplasma generiert, aus dem dann zellfreie DNA isoliert wird. Diese wird von absterbenden Zellen freigesetzt, auch von Tumorzellen. Ein bioinformatischer Algorithmus sucht in der DNA nach krankhaften Mustern, die typisch für Krebszellen sind. Dank dieses Verfahrens lassen sich Millionen von DNA-Fragmenten gleichzeitig sequenzieren und auswerten. Das Besondere: Das Verfahren erkannte nicht nur Bauchspeicheldrüsenkrebs, sondern auch weitere Krebsarten des Magen-Darm-Trakts sowie gutartige Entzündungen wie Pankreatitis – und konnte zuverlässig zwischen ihnen unterscheiden.
Schonend, präzise und vielversprechend
Für die Betroffenen ist das Verfahren besonders schonend, da es nicht-invasiv ist. Gleichzeitig liefert es präzise Ergebnisse. In einer ersten Studie konnten die Forschenden zeigen, dass sich mit der Methode zuverlässig zwischen gesunden und erkrankten Personen unterscheiden lässt und auch Vorstufen von Bauchspeicheldrüsenkrebs erkannt werden können. „Die Differenzierung gelingt, da sich das Methylierungsmuster im Genom der Bauchspeicheldrüse etwa von dem einer Immunzelle unterscheidet. Die Methylierung kennzeichnet auch, in welchem physiologischen Zustand sich eine Zelle befindet“, so Sohn.
Nächster Schritt: Klinische Anwendung
Das Forschungsprojekt wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Aktuell bereitet das Forschungsteam eine multizentrische Studie vor, bei der Blutproben aus verschiedenen Kliniken analysiert werden sollen. Ziel ist es, das Verfahren in die klinische Routine zu überführen und langfristig ein flächendeckendes Früherkennungsprogramm zu ermöglichen.