Wie ein PET-Scan Kindern mit Weichteilsarkomen eine belastende Knochenmarkbiopsie ersparen könnte
Eine internationale Studie unter Beteiligung der Universitätsmedizin Halle liefert wichtige Hinweise für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Rhabdomyosarkom. Die Ergebnisse legen nahe, dass in vielen Fällen ein PET-Scan ausreichen könnte, um Knochenmarkmetastasen zu erkennen und damit eine schmerzhafte Untersuchung überflüssig zu machen.
Eine Krebsdiagnose stellt das Leben von Kindern und ihren Familien von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Zu den Sorgen über die Erkrankung kommen oft zahlreiche Untersuchungen hinzu, die notwendig sind, um das Ausmaß des Tumors festzustellen und die passende Behandlung zu planen. Für Kinder und Jugendliche mit einem Rhabdomyosarkom, dem häufigsten Weichteilsarkom im Kindes- und Jugendalter, gehört dazu bislang fast immer eine Knochenmarkbiopsie.
Diese Untersuchung könnte künftig deutlich seltener nötig sein. Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung von Professorin Simone Hettmer von der Universitätsmedizin Halle hat gezeigt, dass ein bildgebendes Verfahren, die sogenannte FDG-PET, Knochenmarkmetastasen häufig ebenso zuverlässig und teilweise sogar besser erkennt als die bisherige Standarduntersuchung.
Wenn Diagnostik selbst zur Belastung wird
Um die Behandlung eines Rhabdomyosarkoms zu planen, müssen Ärztinnen und Ärzte zunächst herausfinden, ob sich der Tumor bereits im Körper ausgebreitet hat. Besonders wichtig ist dabei die Frage, ob Krebszellen das Knochenmark erreicht haben. Denn unter anderem davon hängt ab, wie hoch die Heilungschancen eingeschätzt werden und wie intensiv die Therapie ausfallen sollte. Bislang gilt die Knochenmarkpunktion als Standardverfahren. Dabei werden mit speziellen Nadeln Proben aus dem Inneren des Beckenknochens entnommen.
„Das Knochenmark ist die Fabrik, in der unser Blut entsteht“, erklärt Hettmer. „Wenn man es untersuchen möchte, muss man Proben aus der Mitte des Knochens entnehmen.“ Für Kinder ist das keine angenehme Erfahrung. Zwar erfolgt die Untersuchung in der Regel unter Sedierung, doch der Eingriff kann eine zusätzliche Belastung sein. Die jungen Patientinnen und Patienten müssen nüchtern bleiben, benötigen eine Betäubung und können anschließend Beschwerden an den Einstichstellen haben. „Alles, was zusätzlicher Aufwand ist, zusätzlicher Stress, zusätzliche Schmerzen, muss ja nicht sein, wenn man es vermeiden kann“, sagt Hettmer. „Schon gar nicht, wenn ein Kind ohnehin gerade mit einer Krebsdiagnose konfrontiert ist.“
Ein Ganzkörperbild zeigt mehr als eine einzelne Probe
Genau hier setzt die FDG-PET an. Bei diesem Verfahren erhalten die Patientinnen und Patienten eine schwach radioaktiv markierte Zuckerlösung. Da Tumorzellen besonders viel Energie verbrauchen, nehmen sie den Zucker verstärkt auf. Anschließend erstellt ein Scanner Aufnahmen des gesamten Körpers. Bereiche mit hoher Stoffwechselaktivität werden sichtbar und können von Fachleuten genauer untersucht werden. Der entscheidende Vorteil: Während eine Biopsie nur Informationen über die punktierte Stelle liefert, zeigt ein PET-Scan den gesamten Körper auf einmal.
„Wenn man ein PET hat, sieht man den ganzen Körper und kann erkennen, wo sich die Erkrankung befindet“, erklärt Hettmer. Dass dies wichtig sein kann, zeigte sich auch in der Studie. Denn Knochenmarkmetastasen verteilen sich bei einem Rhabdomyosarkom offenbar häufig nicht gleichmäßig. Stattdessen treten sie oft nur an einzelnen Stellen auf. „Bei der Mehrheit der Patientinnen und Patienten war der Befall nicht diffus, sondern fleckförmig verteilt“, berichtet Hettmer. „Wenn der Befall nicht im Becken sitzt, kann ich dort hineinstechen, so viel ich will. Dann finde ich keine Tumorzellen.“
PET-Scan könnte Knochenmarkbefall zuverlässig erkennen
Für die Untersuchung werteten die Forschenden Daten von mehr als 300 Kindern und Jugendlichen aus Europa und Nordamerika aus. Alle hatten vor Beginn ihrer Behandlung sowohl eine Knochenmarkbiopsie als auch eine FDG-PET erhalten. Das Ergebnis war bemerkenswert: In den Fällen, in denen tatsächlich ein Knochenmarkbefall vorlag, erkannten beide Verfahren diesen häufig übereinstimmend. Darüber hinaus zeigte sich jedoch, dass die PET zahlreiche zusätzliche Befunde sichtbar machen konnte, die mit der Biopsie nicht entdeckt wurden. Umgekehrt gab es nur einen einzigen Fall, in dem eine Biopsie Krebszellen fand, die im PET nicht aufgefallen waren. Für Hettmer ist die Schlussfolgerung klar: „Wenn man vor Beginn der Therapie ein PET macht, der Primärtumor deutlich sichtbar ist und sich sonst keine Auffälligkeiten im Knochenmark zeigen, dann müssen diese Kinder nicht mehr punktiert werden.“
Forschung, die direkt bei Patientinnen und Patienten ankommt
Noch müssen die Ergebnisse in weitere internationale Empfehlungen und Studienprogramme einfließen. Doch die Voraussetzungen für eine Umsetzung sind gut. Die erforderlichen PET-CT-Systeme sind an kinderonkologischen Zentren in Deutschland bereits verfügbar. Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Biopsien vollständig verschwinden werden. Würde ein PET-Scan den Standard der Biopsie ablösen und auffällige Bereiche zeigen, können trotzdem weitere Untersuchungen notwendig bleiben. Statt einer standardmäßigen Punktion an einer festgelegten Stelle könnten Ärztinnen und Ärzte dann gezielt die Region untersuchen, die im Bild auffällig geworden ist. Für viele Familien wäre das dennoch ein großer Fortschritt. Denn ein erheblicher Teil der Kinder könnte auf eine belastende Untersuchung verzichten, ohne dass wichtige Informationen für die Behandlung verloren gehen. „Wir sind der Meinung, dass sich für unsere Patientinnen und Patienten jetzt etwas ändern muss“, sagt Hettmer. „Diese Punktionen braucht man in vielen Fällen nicht mehr.“
Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie Forschung die Versorgung konkret verbessern kann. Nicht durch eine neue Therapie oder ein neues Medikament, sondern durch eine klügere Diagnostik, die Kindern Belastungen ersparen oder sie verringern könnte. Oder, wie Hettmer es zusammenfasst: „Wenn wir auf zusätzliche Schmerzen und zusätzlichen Stress verzichten können, dann sollten wir das tun.“