Welt-Nichtrauchertag 31. Mai: Rauchen verursacht Krebs

Rauchen ist die größte vermeidbare Ursache von Krebs. Weitergehende Forschung zu Tabakprävention, besserer Früherkennung, innovativen Therapieformen sowie die verstärkte Umsetzung von nachweislich wirksamen Tabakpräventionsmaßnahmen sind notwendig.

Weltnichtrauchertag 2021 - commit to quit - Deutsch

Motto des Welt-Nichtrauchertags 2021: Hör auch auf (Commit to Quit)! 
Im Allgemeinen heißt die Parole für Erfolg nicht aufgeben. Doch wer das Rauchen aufgibt, gewinnt - Fitness, Wohlbefinden und viele Lebensjahre. 

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Mehr als 90 Substanzen, die beim Rauchen und Passivrauchen inhaliert werden, sind krebserzeugend oder stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. In Deutschland gehen geschätzt 19 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf den Krebsrisikofaktor Rauchen zurück. Der größte Anteil entfällt auf Lungenkrebs: 86 Prozent aller Betroffenen erkranken aufgrund des Rauchens. Tabakkonsum erhöht in den meisten Altersgruppen das Risiko für Lungenkrebs um mindestens das 20-fache. Für weitere Krebsarten verdoppelt Rauchen das Erkrankungsrisiko, wie Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Partner der Nationalen Dekade gegen Krebs, aus vorliegenden Daten ermittelt haben.

Eine aktuelle Prognose der Krebssterblichkeit zeigt, dass EU-weit die Rate der Menschen, die an Krebs versterben um 6,6 Prozent bei Männern und 4,5 Prozent bei Frauen sinkt. Doch betrachtet man die Sterberaten für Lungenkrebs in Deutschland - der Krebsart, die am stärksten mit dem Rauchen zusammenhängt - so sinkt diese zwar bei Männern (um 10 Prozent), die der Frauen steigt jedoch weiter an (um 6,5 Prozent). Hier spiegelt sich wider, dass dank erfolgreicher Tabakpräventionsmaßnahmen insgesamt zwar weniger Menschen rauchen, doch zunehmend mehr Frauen zur Zigarette greifen; vermutlich aufgrund des inzwischen gesellschaftlich akzeptierteren Bilds der rauchenden Frau. 

LUNGENKREBS IST EINE BESONDERS TÖDLICHE KREBSART

Bei Lungenkrebs treten Beschwerden meist erst auf, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist. Dann ist Heilung nicht mehr möglich und ein Großteil der Betroffenen verstirbt innerhalb weniger Monate nach der Diagnose. Das hat sich mit Einführung neuer Therapieformen zwar verbessert. Doch steht die Frage im Raum, ob nicht eine flächendeckende Lungenkrebsfrüherkennung sinnvoll wäre.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, ermuntert Raucherinnen und Raucher in Deutschland, sich von der Zigarette zu verabschieden:

"Aufhören lohnt sich! Der Körper regeneriert sich wieder. Zehn Jahre nach dem Rauchstopp hat sich das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, im Durchschnitt wieder halbiert - Jüngere profitieren sogar deutlich mehr. Zudem lässt sich das Risiko, an anderen tabakbedingten Krebsarten zu erkranken, schon nach einigen Jahren erheblich senken."

Vor der Einführung jedes Screenings müssen Nutzen und Schaden erwogen werden. Als Nutzen erwartet man, dass das frühe Erkennen dem Erkrankten die Auswirkungen eines schweren Verlaufs erspart und die Heilungsaussichten verbessert. Nachteile können potentiell durch die Früherkennungsuntersuchung selbst entstehen; z.B. ein erhöhtes Krebsrisiko durch die Strahlenbelastung beim Screenen. Des Weiteren können Getestete unnötig belastet werden, z.B. durch Fehlalarme oder Überdiagnosen - wenn also Krebs bei Menschen erkannt und behandelt wird, der sich ohne die Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte.

Ein Rauchstopp lohnt sich

Männer verlieren durch starkes Rauchen (mehr als zehn Zigaretten pro Tag) durchschnittlich 9,4 Lebensjahre, Frauen 7,3 Jahre. 

Doch wer das Rauchen aufgibt, dessen Körper regeneriert sich wieder. Das Erkrankungsrisiko nimmt für die meisten Krebsarten bereits innerhalb einiger Jahre nach einem Rauchstopp deutlich ab.

Dafür ist aber ein hundertprozentiger Rauchstopp notwendig, eine einfache Reduktion der gerauchten Zigaretten wirkt sich nur geringfügig aus.

Je früher man aufhört, umso besser ist die Wirkung:

50-Jährige, die das Rauchen aufgeben, können ihr Risiko, bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs zu erkranken, im Vergleich zu einem permanenten Raucher um etwa die Hälfte reduzieren. Wer bereits mit 30 Jahren aufhört, hat sogar ein Lungenkrebsrisiko, das nur wenig über dem eines Nie-Rauchers liegt. Ein gewisses erhöhtes Restrisiko bleibt aber meist bestehen.

Quelle: Fakten zum Rauchen (DKFZ)

Für eine valide Abwägung dieser Vor- und Nachteile braucht es immer Daten aus Studien. In neueren Untersuchungen wie der NELSON-Studie zeigt sich, dass mit einer strahlenarmen Niedrigdosis-Computertomografie weniger Raucher und Ex-Raucher mit hohem Rauchkonsum (mind. 15 Packungsjahre, Rauchstopp nicht länger als 10 Jahre) an Lungenkrebs sterben als mit einfachem Röntgen der Lunge. Der Effekt könnte bei Frauen höher sein, wie auch die Ergebnisse der deutschen LUSI-Studie des DKFZ zeigen.

Da sich verschiedene Studien in ihren Aussagen unterscheiden können, hat sich das Institut für Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit (IQWIG) die komplette Studienlage angesehen und  in einem Abschlussbericht bewertet. Dabei kam es zu dem Schluss, dass nach derzeitigem Kenntnisstand der Nutzen des Low-Dose-CT-Screenings für Personen der Hochrisikogruppe (langjährige starke Raucherinnen und Raucher) mögliche Nachteile (im Vergleich zu keinem Screening) überwiegt. 

Damit eine röntgen- und nuklearmedizinische Krebs-Früherkennung durchgeführt werden darf, bedarf es zuvor auch einer ausführlichen Begutachtung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Darauf wiesen verschiedene Fachgesellschaften nach einem Vorbericht des IQWIG aus dem Juli 2020 hin. Eine solche Begutachtung hat das BfS im Mai 2019 begonnen, das Ergebnis steht jedoch noch aus. 

Vorteil Risikoangepasste Früherkennung

Wenn man Früherkennungsuntersuchungen gezielt nur Personengruppen anbietet, die davon mehr profitieren als die Durchschnittsbevölkerung - und somit bei ihnen die Maßnahme mehr Nutzen als potentiellen Schaden bietet -, nennt man das risikoadaptiert. Mit diesem zukunftsweisenden Thema befasst sich auch die Arbeitsgruppe Prävention der Nationalen Dekade gegen Krebs.

Plakatmotiv des Weltnichtrauchertags 2019

Hilfe beim Rauchstopp bietet die neue Bundesinitiative „Rauchfrei leben", die von den Dekaden-Partnern DKFZ und DKH unterstützt wird.  

Bundesinitiative "Rauchfrei leben"

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Früherkennung ist die Weiterentwicklung nicht-invasiver Methoden, bei denen die Untersuchungsrisiken minimiert werden. Hier hat der Dekadenpartner Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) in seiner Roadmap 2019 der Liquid Biopsy eine wichtige Priorität für die Krebsforschung der nächsten zehn Jahre eingeräumt. Dabei handelt es sich um das Aufspüren von Krebs in einer Blut- oder nicht festen Gewebeprobe.

Der beste Weg ist, Krebs nicht entstehen zu lassen

Doch Früherkennung kann eine Erkrankung nicht verhindern und auch innovative Therapien nur für einen Teil der Betroffenen Verbesserung bringen. Daher ist die wichtigste Maßnahme, das Krebsrisiko zu senken, der Rauchverzicht. 

Mit Tabakprävention und -kontrolle beschäftigt sich die Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Deren kommissarische Leiterin Dr. Katrin Schaller sieht trotz sinkender Raucherzahlen hierzulande noch Potential: „Mit einem Anteil von 19 Prozent ist Rauchen in Deutschland Krebsrisikofaktor Nummer Eins. Andere europäische Länder, wie England oder Frankreich, setzen Tabakpräventionsmaßnahmen deutlich entschlossener um als wir. Die aktuell diskutierte Tabaksteuererhöhung könnte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein: deutliche Preiserhöhungen sind die beste Motivation zum Rauchstopp.“

Die Grundlage für solche Entscheidungen bilden wissenschaftliche Informationen über die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen, wie sie die Stabsstelle zur Verfügung stellt.

Interview mit PD Dr. Ute Mons, vormalige Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention (2016-2020) des DKFZ: „Jede dritte Krebserkrankung ist vermeidbar“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung)

WEITERE INFORMATIONEN

Bundesinitiative “Rauchfrei leben“ geht an den Start (Pressemitteilung des DKFZ 27.4.2021)

Tabakatlas Deutschland 2020, PDF (Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ)


Liste der erwähnten Publikationen