Weltnichtrauchertag 31. Mai: Rauchen verursacht Krebs

Rauchen ist die größte vermeidbare Ursache von Krebs. Weitergehende Forschung zu Tabakprävention, besserer Früherkennung, innovativen Therapieformen sowie die verstärkte Umsetzung von nachweislich wirksamen Tabakpräventionsmaßnahmen sind notwendig.

Mehr als 90 Substanzen, die beim Rauchen und Passivrauchen inhaliert werden, sind krebserzeugend oder stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen. In Deutschland gehen geschätzt 19 Prozent aller Krebsneuerkrankungen auf den Krebsrisikofaktor Rauchen zurück. Der größte Anteil entfällt auf Lungenkrebs: 86 Prozent aller Betroffenen erkranken aufgrund des Rauchens. Tabakkonsum erhöht in den meisten Altersgruppen das Risiko für Lungenkrebs um mindestens das 20-fache. Für weitere Krebsarten verdoppelt Rauchen das Erkrankungsrisiko, wie Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Partner der Nationalen Dekade gegen Krebs, aus vorliegenden Daten ermittelt haben.

Kill yourself Starter Kit

Das Thema des diesjährigen Weltnichtrauchertags richtet den Blick auf die manipulative Wirkung von Werbung. Das Motto „Kill yourself starter kit. Lass dich nicht manipulieren“ nimmt darüber hinaus Bezug auf die gesundheitlichen Gefahren von Tabakprodukten, Shishas, Tabakerhitzern und E-Zigaretten in Zeiten der Corona-Pandemie. Mehr dazu bei der Deutschen Krebshilfe, Partner der Dekade gegen Krebs.

Eine aktuelle Prognose der Krebssterblichkeit zeigt, dass EU-weit die Rate der Menschen, die an Krebs versterben um gut fünf Prozent bei Männern und vier Prozent bei Frauen sinkt. Doch betrachtet man die Sterberaten für Lungenkrebs in Deutschland - der Krebsart, die am stärksten mit dem Rauchen zusammenhängt - so sinkt diese zwar bei Männern (um 9 Prozent), die der Frauen steigt jedoch weiter an (um 6 Prozent). Hier spiegelt sich wider, dass dank erfolgreicher Tabakpräventionsmaßnahmen insgesamt zwar weniger Menschen rauchen, doch zunehmend mehr Frauen zur Zigarette greifen; vermutlich aufgrund des inzwischen gesellschaftlich akzeptierteren Bilds der rauchenden Frau.

Lungenkrebs ist eine besonders tödliche Krebsart

Bei Lungenkrebs treten Beschwerden meist erst auf, wenn die Erkrankung fortgeschritten ist. Dann ist Heilung nicht mehr möglich und ein Großteil der Betroffenen verstirbt innerhalb weniger Monate nach der Diagnose. Das hat sich mit Einführung neuer Therapieformen zwar verbessert. Doch steht die Frage im Raum, ob nicht eine flächendeckende Lungenkrebsfrüherkennung sinnvoll wäre.

Vor der Einführung jedes Screenings müssen Nutzen und Schaden erwogen werden. Als Nutzen erwartet man, dass das frühe Erkennen dem Erkrankten die Auswirkungen eines schweren Verlaufs erspart und die Heilungsaussichten verbessert. Nachteile können potentiell durch die Früherkennungsuntersuchung selbst entstehen; z.B. ein erhöhtes Krebsrisiko durch die Strahlenbelastung beim Screenen. Des Weiteren können Getestete unnötig belastet werden, z.B. durch Fehlalarme oder Überdiagnosen (wenn also Krebs bei Menschen erkannt und behandelt wird, der sich ohne die Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte).

Für eine valide Abwägung dieser Vor- und Nachteile braucht es immer Daten aus Studien. In neueren Untersuchungen wie der NELSON-Studie zeigt sich, dass mit einer strahlenarmen Niedrigdosis-Computertomografie weniger Raucher und Ex-Raucher mit hohem Rauchkonsum (mind. 15 Packungsjahren, Rauchstopp nicht länger als 10 Jahre) an Lungenkrebs sterben als mit einfachem Röntgen der Lunge. Der Effekt könnte bei Frauen höher sein, wie auch die Ergebnisse der deutschen LUSI-Studie des DKFZ zeigen.

Plakatmotiv des Weltnichtrauchertags 2019

Deutsche Krebshilfe und Aktionsbündnis Nichtrauchen, 2019

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bewertet Nutzen und Risiken von derartigen Untersuchungen. Hier muss entschieden werden, ob ein Screening nur bei starken Rauchern beiden Geschlechts oder vielleicht sogar nur bei Frauen sinnvoll ist. Mit dem risikoangepassten Einsatz von Früherkennung befasst sich auch die Arbeitsgruppe Prävention der Nationalen Dekade gegen Krebs.

Ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Früherkennung ist die Weiterentwicklung nicht-invasiver Methoden wie der Liquid Biopsy. Dieses Aufspüren von Krebs in einer Blut- oder nicht festen Gewebeprobe hat der Dekadenpartner Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) in seiner Roadmap 2019 als eine wichtige Priorität für die Krebsforschung der nächsten zehn Jahre identifiziert.

Doch Früherkennung kann eine Erkrankung nicht verhindern und auch innovative Therapien nur für einen Teil der Betroffenen Verbesserung bringen. Daher ist die wichtigste Maßnahme, das Krebsrisiko zu senken, der Rauchverzicht. Mit Tabakprävention und -kontrolle beschäftigt sich die Stabsstelle Krebsprävention des

DKFZ. Deren Leiterin PD Dr. Ute Mons, auch Mitglied der AG Prävention der Dekade, sieht trotz sinkender Raucherzahlen hierzulande noch Potential: „Mit einem Anteil von 19 Prozent ist Rauchen in Deutschland Krebsrisikofaktor Nummer Eins. Andere europäische Länder, wie England oder Frankreich, setzen Tabakpräventionsmaßnahmen deutlich entschlossener um als wir. Die Einführung des für 2021 geplanten, aber noch nicht beschlossenen Außenwerbeverbots für Tabakprodukte wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“ Die Grundlage für solche Entscheidungen bilden wissenschaftliche Informationen über die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen, wie sie Mons Stabsstelle zur Verfügung stellt.

Interview mit Ute Mons, Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ: „Jede dritte Krebserkrankung ist vermeidbar“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung)

WEITERE INFORMATIONEN

Fakten zum Rauchen: Durch Rauchen und Passivrauchen verursachte Krebserkrankungen, PDF (Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ)

Informationsblatt LUNGENKREBS-FRÜHERKENNUNG: Bislang nicht in Deutschland, PDF (Krebsinformationsdienst des DKFZ)

Vorläufige Nutzenbewertung des Lungenkrebsscreening mittels Niedrigdosis-Computertomografie, PDF (IQWIG, 30.6.2020)

Tabakatlas Deutschland 2015, PDF (Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ)