Welthirntumortag – neuer Therapieansatz bei ZNS-Lymphomen

Bösartige Hirntumoren sind noch immer schwer zu therapieren. Die BMBF-geförderte Studie PRIMA-CNS will zwei bestehende Therapieansätze bei Hirntumoren miteinander vergleichen und damit einen neuen Standard in der Patientenversorgung etablieren.

Am 8. Juni ist Welthirntumortag, seit 2000 initiiert durch die Deutsche Tumorhilfe. Sie setzt sich für die Verbesserung der Patientenversorgung und Förderung der Neuroonkologie (das Medizingebiet, was sich mit dem Krebsbefall des Nervensystems und des Gehirns befasst) ein. Mit dem Aktionstag soll die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die im Vergleich eher seltene Hirntumorerkrankung gerichtet werden.

Illustrative Darstellung eines Tumors im Gehirn

Immer noch schwer zu therapieren: bösartige Hirntumoren.

Getty Images/2019 Flavio Coelho

Aber allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 7.000 Menschen an einem primären Hirntumor und über 25 Prozent aller Krebspatientinnen und Krebspatienten entwickeln infolge ihrer Krebserkrankung Hirnmetastasen. 

Verbesserung der Versorgungspraxis

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs Vergleichs- und Optimierungsstudien zur Verbesserung der Praxis in den Bereichen Prävention, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen unter Einbezug der Patientinnen und Patienten.
Die gängige Versorgungspraxis kann so überprüft, bereits bestehende Therapien verbessert sowie gegebenenfalls unnötige Behandlungen vermieden werden. 

Die Studie PRIMA-CNS ist eines von 13 ausgewählten Projekte, für die nun in einer ersten Stufe das BMBF die Konzeptionsphasen fördert.

Die PRIMA-CNS-Studie

Die Vergleichsstudie der Universitätsklinik Freiburg richtet sich an Patientinnen und Patienten, die älter als 65 Jahre sind und einen aggressiven Hirntumor, in der Fachsprache als primäres ZNS-Lymphom (PZNSL) bezeichnet, aufweisen. ZNS-Lymphome sind Ansammlungen bösartig veränderter Immunzellen im Rückenmark oder Gehirn.

Es werden zwei in Deutschland existierende Therapieansätze miteinander verglichen: Bislang werden körperlich geeignete Betroffene über 65 Jahre mit einer Hochdosis-Chemotherapie und einer unterstützenden Chemo-Erhaltungstherapie behandelt. Die alternative Therapie besteht aus einer kürzeren, jedoch intensiveren Hochdosis-Chemotherapie, hierbei kommen hohe Dosen zellwachstumshemmender Medikamente zum Einsatz. Auf die Hochdosis-Chemotherapie folgt eine autologe Stammzelltransplantation. Bei der autologen Stammzelltransplantation sind Spender und Empfänger dieselbe Person; der Betroffene erhält eigene Blutstammzellen, die vor der Chemotherapie entnommen wurden. Durch die intensive Chemotherapie werden nicht nur bösartige Zellen zerstört, sondern auch das blutbildende System des Knochenmarks. Deshalb müssen den Betroffenen nach der Behandlung Blutstammzellen transplantiert werden, die das zerstörte Knochenmark wieder aufbauen. 

Die Studie PRIMA-CNS will untersuchen, inwiefern körperlich fitte Erkrankte, die älter als 65 Jahre sind, auch von diesem Therapieansatz profitieren können. „Durch zahlreiche Vorstudien konnten wir dieses Therapieprinzip bereits bei jüngeren Patienten als internationalen Therapiestandard etablieren. Erste Erfahrungen bei älteren Patienten sind vielversprechend. Ob die intensivierte Behandlung auch bei älteren Menschen einen neuen Therapiestandard darstellen wird, wollen wir mit dieser Studie herausfinden“, berichtet Dr. Elisabeth Schorb, Projektleiterin und Fachärztin am Universitätsklinikum Freiburg.