Forschung für bessere Behandlung bei Prostatakrebs

19. November ist Internationaler Männertag. Die Initiative „Movember“ –  Mo ist die englische Abkürzung für Schnurrbart – soll Männer für zu oft tödlich endende Krankheiten wie Prostatakrebs sensibilisieren und fordert mehr Forschung zum Thema ein.

Vier Bro´s mit Mo´s

Weltweit haben Männer eine deutlich geringere Lebenserwartung als Frauen. Unter dem Motto Grow a Mo - Save a Bro ("trage Bart, um einen Bruder zu retten") setzen Männer bei der Movember-Initiative ein Zeichen.

Movember Foundation

Im November weist die Kampagne „Movember“ auf Männergesundheit hin, zu der auch die Wahrnehmung von Krebsvorsorgeangeboten gehört. Prostatakrebs ist die häufigste Tumorart bei Männern in Deutschland. Jedes Jahr erhalten etwa 60.000 Männer diese Diagnose und etwa 14.000 versterben hieran.

Die gängige Behandlung umfasst neben der Operation, die Strahlentherapie. Beide Eingriffe können im frühen Stadium die Erkrankung, wenn der Tumor noch nicht gestreut hat, heilen. Die Behandlung birgt jedoch auch die Gefahr verschiedener Nebenwirkungen.

Genau hier wollen Forschende im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs Fortschritte erzielen. Sie forschen an einer neuen Behandlungsmethode. Anstatt die Prostata wie bisher gleichmäßig hochdosiert zu bestrahlen, wollen sie eine kombinierte Bilderkennung einsetzen, um den befallenen Teil der Prostata genauer zu erkennen. Dadurch kann die Bestrahlung des identifizierten Areals mit einer hohen Dosis deutlich präziser erfolgen.

Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs wird die Konzeption und Vorbereitung einer so genannten praxisverändernden Vergleichs- und Optimierungsstudie zu dem neuen Vorgehen gefördert. In der Studie „HypoFocal“, die an der Klinik für Strahlenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg konzipiert wurde, soll die gängige Versorgungspraxis überprüft werden. Anhand von Daten soll untersucht werden, ob die neue Therapie einen höheren Nutzen für die Patienten hat als bisher etablierte. 

Eine Therapie kann als besser bewertet werden, wenn sie einen vergleichbaren Nutzen hat, aber weniger Belastung oder Nebenwirkungen für die Patienten nach sich zieht. In diesen Fällen könnte die neue Methode die bisherige Standardtherapie ablösen. Unabhängig vom Ergebnis fließen die dabei gewonnenen Erkenntnisse in jedem Fall in die Weiterentwicklung von Therapien mit ein.

HypoFocal ist die Abkürzung für:

Image-guided focal dose escalation in patients with primary prostate cancer treated with primary external beam hypofractionated radiation therapy.

Deutsch: Fokale Strahlendosiseskalation bei Patienten mit primärem Prostatakarzinom

In der Studienphase sollen neu diagnostizierte Personen mit fortgeschrittenem, nicht metastasierten Prostatakarzinom in zwei Gruppen aufgeteilt werden. In einem „Kontrollarm“ der Studie wird mit der traditionellen Technik, also mit einer gleichmäßigen Bestrahlung der gesamten Prostata, behandelt. Im „experimentellen“ Arm der Studie wird mit der neuen Methode therapiert. Dazu werden innovative Technologien genutzt: Mit Hilfe einer hochpräzisen Bildgebung (bildgeführte Strahlentherapie (IGRT)) sollen die Strahlen exakter als bisher positioniert werden und mittels intensitätsmodulierter Strahlentherapie (IMRT) hochpräzise verabreicht werden. Bei der IMRT kann das Bestrahlungsfeld in kleine Bereiche aufgeteilt und mit am Computer berechneter unterschiedlich hoher Dosis bestrahlt werden. So kann strahlenempfindliches Gewebe, das auf dem Weg zwischen der Strahlenquelle und den Tumorzellen in der Prostata liegt, besser geschont und trotzdem im Tumorgewebe eine gleichmäßig hohe Strahlendosis erreicht werden.

Dadurch könnten zum einen die Heilungsraten verbessert werden und zum anderen die angrenzenden gesunden Bereiche (Darm und Harnblase) optimal geschont werden. Dadurch können Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz reduziert werden, die die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen.

Zudem wollen die Forscherinnen und Forscher mit der neuen Methode auch die Strahlentherapie auf vier Wochen verkürzen, was einer Halbierung der bisherigen Behandlungszeit entspricht.

Die Patientenbeteiligung in der Forschung ist ein wichtiges Ziel der Nationalen Dekade gegen Krebs. Das stellt sicher, dass sich die Wissenschaft an den Bedürfnissen der Betroffenen und deren Angehörigen orientiert. Bei der Entwicklung des HypoFocal-Studienkonzeptes wurden Erkrankte über bundesweite und baden-württembergische Selbsthilfegruppen beteiligt, um das Projekt im kontinuierlichen Dialog mit betroffenen Patienten zu gestalten. Im Rahmen der Studie soll zudem recherchiert werden, wie der Dialog mit ihnen intensiviert werden kann und wie zeitgemäße Methoden (wie z.B. Patienten-Apps) dafür eingesetzt werden können.

Die Studie findet unter Beteiligung von Expertinnen und Experten aus Strahlentherapie, Urologie, Nuklearmedizin und Radiologie statt. Es sind mehrere deutsche Zentren beteiligt (Freiburg, Berlin, Frankfurt, Tübingen, LMU München, TU München, Heidelberg, Mannheim), daher spricht man von einer Multicenter-Studie.

WEITERE INFORMATIONEN

Im Rahmen der Dekade gegen Krebs wird auch Forschung zur Verbesserung der Prostatafrüherkennung gefördert.