Präventionsforschung

Vorbeugende Maßnahmen und Früherkennung sind eine wichtige Grundlage für ein Leben ohne Krebs. Durch eine gesunde Lebensweise und aktive Krebsvorsorge wie Impfungen und Früherkennungsuntersuchungen kann das Risiko zu erkranken, gesenkt werden. 

Die Präventionsforschung generiert Wissen, wie sich Krebs bereits vor seiner oder sehr früh in seiner Entstehung verhindern lässt. Und sie beschäftigt sich damit, wie sich die Erkenntnisse auf individueller und politischer Ebene umsetzen lassen. Die Präventionsforschung hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht und Forscherinnen und Forscher haben umfangreiche neue Erkenntnisse gewonnen. Trotzdem gibt es noch erheblichen Handlungsbedarf. In der Nationalen Dekade gegen Krebs ist Prävention deshalb ein Schwerpunkt.

Bekannte Krebsrisikofaktoren

Nach aktuellem Stand der Präventionsforschung sind etwa 40 Prozent aller jährlich in Deutschland diagnostizierten Krebsneuerkrankungen durch Verhaltensänderungen (Verhaltensprävention) vermeidbar. Ziel der Dekade gegen Krebs ist es, den Anteil der vermeidbaren Krebserkrankungen weiter zu senken. Um das zu erreichen, beschäftigt sich die Arbeitsgruppe Prävention der Dekade damit, wie das Wissen um Prävention in die Breite der Gesellschaft gebracht werden kann und mehr Menschen zu einer aktiven Teilnahme an der Krebsprävention bewegt werden können.

Für einige Krebsarten lässt sich durch einen gesunden Lebensstil das eigene Erkrankungsrisiko senken.

Für eine ganze Reihe von Krebsarten lässt sich das Erkrankungsrisiko durch einen gesunden Lebensstil senken.

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Der mit Abstand größte Krebsrisikofaktor ist der Tabakkonsum – er ist verantwortlich für rund 20 Prozent aller Krebserkrankungen, gefolgt von ungesunden Ernährungsgewohnheiten (rund 8 Prozent), Übergewicht (rund 7 Prozent) und Bewegungsmangel (rund 6 Prozent).

Ein Erfolgsbeispiel für die Präventionsforschung

Harald zur Hausen, langjähriger Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums, erhielt für seine Forschung an Humanen Papillomviren (HPV) im Jahr 2008 den Medizin-Nobelpreis. Er erkannte, dass HP-Viren der wichtigste Auslöser für den Gebärmutterhalskrebs sind, eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen.

Aufgrund dieser Erkenntnisse konnte ein Impfstoff gegen HPV entwickelt werden. Aktuelle Studien zeigen, dass acht Jahre nach der Einführung der HPV-Impfung bei Mädchen und jungen Frauen das Auftreten von Krebsvorstufen im Gebärmutterhals wesentlich zurückgegangen ist.

Weitere Informationen
Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs: von der Hypothese zum Nobelpreis
Viren und weitere Krankheitserreger als Krebsauslöser (Krebsinformationsdienst)

Zudem haben Forscher entdeckt, dass einige Krebserkrankungen durch Infektionen ausgelöst werden können. So gilt es heute beispielsweise als gesichert, dass das Humane Papillomvirus (HPV) wichtigster Auslöser von Gebärmutterhalskrebs ist. Doch nicht jede Frau, die sich mit HPV infiziert, bekommt auch Krebs. Es gibt also noch weitere Einflussfaktoren (so genannte Ko-Faktoren), die an der Krebsentstehung beteiligt sind. Diese herauszufinden ist ebenso Bestandteil der Präventionsforschung, wie weitere krebsauslösende Infektionserreger zu identifizieren.

Prävention ist darüber hinaus auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Durch Änderung der Rahmenbedingungen lassen sich Menschen vor krebserzeugenden Einflüssen schützen bzw. präventives Verhalten wird erleichtert (Verhältnisprävention). Ein Beispiel für eine solche politische Maßnahme ist das Rauchverbot in Gaststätten. Präventionsforschung schafft dafür wissenschaftliche Grundlagen.

In der AG Prävention der Nationalen Dekade gegen Krebs befassen sich Expertinnen und Experten deshalb auch damit, welche Rolle die Lebensumgebung für die Prävention spielt, und diskutieren entsprechende Lösungen.

Prävention heißt auch, den Krebs früh zu erkennen

Zur Prävention gehören auch Früherkennungsmaßnahmen (Sekundärprävention). Viele Krebserkrankungen lassen sich in frühem Stadium besser behandeln, einige sogar durch das Entfernen von Vorstufen verhindern.

Früherkennungsuntersuchungen sind jedoch nicht für alle Krebserkrankungen gleichermaßen sinnvoll. Auf der Grundlage von Daten aus der Präventionsforschung werden Früherkennungsuntersuchungen für folgende Krebsarten empfohlen: Darmkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs sowie Prostatakrebs.

Angebote zur Krebsfrüherkennung in Deutschland

Das in Deutschland gesetzlich verankerte Krebsfrüherkennungsprogramm (auch: Krebs-Screening oder Krebsvorsorge) empfiehlt ab einem bestimmten Alter Früherkennungsuntersuchungen für folgende Tumorarten: Darmkrebs, Hautkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs sowie Prostatakrebs. Diese werden von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Stand Februar 2020

Quelle: Krebsinformationsdienst, DKFZ

Auch im Bereich der Früherkennung wird sich die Dekade gegen Krebs für weitere Forschung einsetzen, die zur Weiterentwicklung von effektiven Vorsorgemaßnahmen führt – zum Beispiel Screening-Programme oder auch die Entwicklung von wirksamen Methoden der risikoangepassten Krebsfrüherkennung für Menschen mit einem erhöhten Krebsrisiko.

Krankheitsfolgen mildern und Rückfall verhindern

Die Präventionsforschung beschäftigt sich auch mit Fragen der Nachsorge (Tertiärprävention). Hier geht es darum, wie man verhindern kann, dass eine bestehende Erkrankung fortschreitet oder eine geheilte Erkrankung wiederkehrt. Auch Komplikationen und Folgeschäden einer Krebsbehandlung können durch bestimmte präventive Maßnahmen abgeschwächt werden. Diese Faktoren versuchen Präventionsforscher anhand von Daten herauszufiltern.

Umsetzung der Ergebnisse aus der Präventionsforschung

Die Präventionsforschung setzt sich auch damit auseinander, wie sich gesundheitsförderndes Verhalten (gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung) stabilisieren und gesundheitliches Risikoverhalten (Rauchen, Alkohol) reduzieren lässt.

In den kommenden Jahren sollen die Präventionsforschung und die angewandte Prävention in Deutschland systematisch ausgebaut werden. Dafür haben das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und die Stiftung Deutsche Krebshilfe im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs den Aufbau eines Krebspräventionszentrums angekündigt.

Ein weiteres Thema, dessen sich die Dekade gegen Krebs annimmt, ist die Gesundheitskompetenz, also das Erkennen und Verstehen von Gesundheitsinformation. Diese ist Voraussetzung für eigenverantwortliches, gesundheitsförderliches Verhalten. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin: Ein großer Teil der Deutschen hat Schwierigkeiten, gesundheitsrelevante Informationen zu finden, zu verstehen sowie einzuordnen und zu nutzen. Daher ist ein Ziel der Arbeitsgruppe Prävention der Dekade gegen Krebs die Stärkung dieser Fähigkeiten.

Dr. Christa Maar, Felix Burda Stiftung

„Krebs muss verhindert werden. Deshalb muss der Vorsorge ein noch höherer Stellenwert zukommen. Es ist ökonomisch viel sinnvoller, wenn eine Krankheit erst gar nicht entsteht, bevor sie mit teuren Medikamenten behandelt wird. Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft die personenbezogene Krebsfrüherkennung eine große Rolle spielen wird. Dafür benötigen wir Datenmaterial und weitere Studien, zudem tragfähige Netzwerke.“