Wenn Farben den Unterschied machen: Datenvisualisierung in der Krebsmedizin
Wie können Bilder helfen, eine Krebsbehandlung besser zu verstehen? Dr. Helena Jambor zeigt, wie visuelle Pläne Betroffenen Orientierung geben und warum die richtigen Farben entscheidend sind, um medizinische Daten verlässlich darzustellen.
Wer eine Krebsdiagnose erhält, muss häufig viele Informationen auf einmal aufnehmen. Untersuchungen, Behandlungen und Kontrolltermine folgen manchmal über Monate schnell aufeinander. Zusammengefasst werden diese meist in einem Behandlungsplan, der aber wiederum viele Seiten lang sein kann. Für die Betroffenen sind all diese Informationen, Aspekte und Termine wichtig, aber oft schwer zu überblicken. Welche Schritte gehören zusammen? Was kommt als Nächstes? Und welche Frage wollte man beim nächsten Arztgespräch noch stellen?
Dr. Helena Jambor beschäftigt sich deshalb mit der Frage, wie Informationen verständlicher gestaltet werden können. Gemeinsam mit einem Team am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden hat sie Behandlungsabläufe als visuelle Pläne mit Zeitachsen, Symbolen und erkennbaren Abschnitten aufbereitet. „Aus einer Folge von Terminen wird so ein Weg, auf dem sich Betroffene orientieren können. Der Plan lässt Platz für Notizen und kann auch nach dem Gespräch noch einmal zur Hand genommen werden”, beschreibt Jambor die Vorteile für Patientinnen und Patienten.
Dass diese Form der Darstellung mehr bewirkt als die traditionell genutzten, textbasierten Ausführungen, zeigte eine Studie mit dem Patientenbeirat des Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen/Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden (UCC). Die visuellen Hilfen waren für die Teilnehmenden nachvollziehbar; sie verbesserten das Verständnis der Behandlung und stärkten das Sicherheitsempfinden. Wie sehr dieser Plan im Alltag hilft, bestätigt auch die Auszeichnung mit dem Deutschen Preis für Patientensicherheit, die Jambor kürzlich erhielt. „Entscheidend ist, dass Daten und Informationen so aufbereitet werden, dass sie für alle verständlich sind. Das gilt für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für Ärztinnen und Ärzte und vor allem für die Patientinnen und Patienten selbst“, erläutert sie. Dieser Anspruch beschränkt sich jedoch nicht auf Behandlungspläne.
Dieselben Daten, ein anderer Eindruck
Auch bei Diagnosedaten kann die richtige Visualisierung einen entscheidenden Unterschied machen.
Im klinischen Labor läuft, beispielsweise bei einem Blutbild, eine große Menge an Daten zusammen, anhand derer die Fachleute erkennen müssen, welche Zellgruppen ähnliche Merkmale aufweisen und welche davon abweichen oder ob nach einer Krebsbehandlung Hinweise auf verbliebene krankhafte Zellen zu sehen sind. Die Daten selbst geben keine Farben vor. Die Sichtbarmachung ist also eine zentrale Frage.
Auf den ersten Blick scheint das eine Frage der Gestaltung zu sein. Doch die Wahl der Farbskala beeinflusst, wie dieselben Messwerte wahrgenommen werden. Ein ausgeprägter Farbwechsel kann Unterschiede hervorheben, obwohl sich die Werte an dieser Stelle kaum stärker verändern als in anderen Bereichen. Eine andere Farbskala kann feine Abstufungen deutlicher erkennbar machen, auch wenn die Darstellung insgesamt weniger kontrastreich wirkt.
Der Vergleich der Bilder von Blutzell-Daten macht diesen Effekt anschaulich: Die Messung bleibt gleich, während die Darstellung wechselt. Wer die Bilder nebeneinander betrachtet, sieht, wie sehr Farben den ersten Eindruck von einer Zellgruppe prägen können.
Wie die Darstellung die Wahrnehmung beeinflusst
Jambor untersucht deshalb, wie wissenschaftliche oder klinische Abbildungen Daten möglichst verlässlich wiedergeben können. Ein Schwerpunkt liegt in wahrnehmungsgerechten Farbskalen, bei denen sich die sichtbaren Abstufungen möglichst gleichmäßig mit den zugrunde liegenden Werten verändern. So soll ein starker optischer Unterschied auch einen entsprechend starken Unterschied in den Daten anzeigen. „Farben verändern keine Messwerte. Aber sie beeinflussen, welche Muster wir auf den ersten Blick erkennen. Deshalb müssen wir eine Farbskala genauso sorgfältig auswählen wie einen biochemischen Test, mit dem wir Gewebeproben untersuchen“, erklärt Jambor. Seit Juni 2026 bringt sie diese Perspektive auch in die neu aufgelegte Kolumne „Point of View“ der Fachzeitschrift Nature Methods ein.
Die Forschung von Jambor ist am NCT/UCC Dresden angesiedelt. Das NCT wird maßgeblich vom BMFTR gefördert und im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs zu einem deutschlandweiten Netzwerk ausgebaut, damit mehr Betroffene von innovativen Forschungsansätzen und klinischen Studien profitieren können.