Mit Information zu mehr Mut und Mitbestimmung
Das Projekt PRISMA will die Kommunikation zwischen Betroffenen und medizinischem Personal verbessern. Nach dem Motto: Zuhören, Nachfragen und gemeinsam Lösungen entwickeln, die sich an den echten Bedürfnissen orientieren – auch wenn Zeit und Ressourcen knapp sind.
Eine Krebsdiagnose verändert alles – und bringt oft eine Flut an Informationen mit sich, die viele Betroffene überfordert. Besonders in ländlichen Regionen fehlt es häufig an passender Unterstützung. Das Projekt PRISMA will genau hier ansetzen: Es entwickelt neue Wege, wie Patientinnen und Patienten besser begleitet werden können – digital, individuell und alltagstauglich.
Mehr als nur Behandlung – echte Bedürfnisse verstehen
„Wir wissen, dass Zeit und Ressourcen in der Klinik knapp sind. Trotzdem haben Erkrankte und ihre Angehörigen viele Sorgen, Fragen und Wünsche“, sagt die Studienleiterin Prof. Dr. Anne Herrmann. Sie und ihr Team wollen zeigen, wie Versorgung auch unter diesen Bedingungen patientennäher und wirksamer gestaltet werden kann.
Drei innovative Ansätze für bessere Kommunikation und Versorgung
Das Team testet drei neue Kommunikationsangebote, die den Austausch zwischen Krebserkrankten, Angehörigen und medizinischem Personal verbessern sollen:
- Webbasierte Mikro-Lernmodule
Kurze, leicht verständliche Videos vermitteln Wissen zu Erkrankung, Therapie und allgemeinen Fragen – angepasst an die jeweilige Behandlungsphase. All das soll jederzeit und ortsunabhängig abrufbar sein. So sollen die Erkrankten mit den Ärztinnen und Ärzten auf Augenhöhe über die Behandlungsoptionen sprechen und fundiert über ihre Therapie mitentscheiden können.
- Individuelle Hilfe auf Rezept
Zudem können Ärztinnen und Ärzte über „Social Prescriptions“ nicht-medizinische Angebote wie Bewegung für Krebserkrankte oder psychosoziale und psychoonkologische Beratung verordnen. Das soll die Lebensqualität Betroffener verbessern – auch über die direkte Therapie hinaus.
- App-gestützte Symptomüberwachung
Über eine App geben Patientinnen und Patienten regelmäßig ihre Symptome ein und bekommen eine Rückmeldung. Je nach Schweregrad meldet sich zunächst eine Pflegekraft, bei starken Beschwerden auch die Ärztin oder der Arzt. So kann frühzeitig und gezielt reagiert werden.
Forschung, die zuhört: Betroffene und Angehörige sind mit im Boot
Ein zentrales Element von PRISMA: Erkrankte und Angehörige sind von Anfang an aktiv eingebunden. Der PRISMA-Patientenbeirat sorgt dafür, dass die Angebote wirklich alltagstauglich sind – ohne Technik-Hürden und in verständlicher Sprache. Auch Angehörige werden als feste Partner in die Studie aufgenommen, denn sie spielen eine entscheidende Rolle in der Versorgung, werden aber oft übersehen. „Neben den Patientinnen und Patienten beziehen wir immer eine Angehörige oder einen Angehörigen ein. Das können Verwandte, Partner oder andere Personen sein, die den Betroffenen helfen“, erklärt Herrmann. „Wir werden die Module so entwickeln, dass auch die Unterstützenden die Kommunikationswege und Beratungsangebote nutzen und damit den Erkrankten am Ende besser helfen können.“ Die Erfahrungen und Perspektiven beider fließen direkt in die Studie ein.
Praxisnah und entlastend– auch für das medizinische Personal
Die Studie berücksichtigt auch die Perspektive der Ärztinnen und Ärzte sowie die der Pflege: „Wenn ein Gespräch zehn Minuten länger dauert, lässt sich das in der Praxis oft nicht umsetzen“, weiß Herrmann. Deshalb wird zusätzlich untersucht, ob die neuen Ansätze auch Zeit sparen und Medizinerinnen und Mediziner entlasten können – etwa durch frühzeitige Intervention bei Problemen oder das Konzept der stufenweisen Behandlung, das medizinisches Personal bedarfsgerecht einbindet.
Starke Förderung für starke Ideen
PRISMA gehört zu den ersten drei Projekten, die im Rahmen der neuen Förderlinie Overarching Clinical Trial (OCT2) des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) unterstützt werden. Über vier Jahre hinweg fließen mehr als zwei Millionen Euro in das Projekt, das Forschung und klinische Praxis enger miteinander verzahnt und die Versorgung Erkrankter – insbesondere im ländlichen Raum – entscheidend verbessern will. Bei positiven Studienergebnissen sollen die Strategien perspektivisch dauerhaft in die onkologische Regelversorgung übernommen werden.
Die Studie entstand in enger Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Uniklinikums Regensburg und läuft an mehreren Standorten: Regensburg, Würzburg, Erlangen, Augsburg, Köln und in der Charité Berlin. So können auch Betroffene aus umliegenden ländlichen Regionen teilnehmen – für eine optimale Versorgung, die die Patienten als Menschen im Blick behält.
Der Ausbau des NCT wird im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs gefördert – unter anderem mit dem Ziel, klinische Studien in Deutschland besser abzubilden und zu unterstützen. Projekte wie PRISMA zeigen, wie durch gezielte Förderung innovative Versorgungskonzepte entstehen können, die den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht werden.
Kontakt über:
Medizinische Soziologie, Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Universität Regensburg
Corinna.Teichl@klinik.uni-regensburg.de
Tel.: 0941/ 944-5230