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Himbeerherzen: Kindgerechte Arznei aus dem 3D-Drucker

In Hamburg startet ein Pilotprojekt zur Herstellung kindgerechter Krebsmedikamente mit einem 3D-Drucker. Die bunten, fruchtig schmeckenden Tabletten sind besser zu schlucken, einfacher zu dosieren und sollen den Alltag der Kinder ein wenig erleichtern.

Mit vier Jahren erkrankt Aliya an Leukämie. Sie wird am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt, zwei Jahre lang erhält das Mädchen eine Chemotherapie. Die endet 2021. Heute ist sie zehn Jahre alt und krebsfrei. Die vielen Tabletten von damals sind ihr bis heute im Gedächtnis geblieben: „Ich konnte ja keine Tabletten schlucken und da musste ich die so kauen. Ich kann mich noch an den Geschmack erinnern – wirklich so eklig. Und das ist immer in meinen Zähnen stecken geblieben.“

Abgebildet ist die zehnjährige Aliya beim Malen. Artikelbild Himbeerherzen
Heute ist Aliya zehn Jahre alt – die schweren Zeiten mit bitteren Medikamenten sind nur noch Erinnerung. Das Wichtigste: Die Therapie hat gewirkt, sie ist krebsfrei. Bei Leukämie stehen die Heilungschancen gut – mehr als 90 % der betroffenen Kinder können heute geheilt werden. © UKE

Kleine Kranke, große Tabletten

Die meisten der Medikamente sind nur in Tablettenform auf dem Markt und werden eigentlich für Erwachsene produziert. Um sie auf das geringere Körpergewicht abzustimmen, müssen sie für die kleinen Patienten halbiert, geviertelt oder gemörsert werden. Das erschwert eine exakte Dosierung. Dieses Problem beschäftigt auch UKE-Klinikapotheker Dr. Adrin Dadkhah: „Es ist insgesamt eine unbefriedigende Situation, die unseren Ansprüchen an eine präzise Arzneimitteldosierung nicht gerecht wird.“

Innovative Lösung: 3D-gedruckte Medikamente

Dadkhah sucht nach einer Lösung. In einer Machbarkeitsstudie hatte die Klinikapotheke bereits das pharmazeutische 3D-Drucken von Medikamenten erprobt. Nun sollten auch die kleinen Patienten von der neuen Technologie profitieren. In Abstimmung mit der Kinderonkologie führen er und sein Team erste Versuche mit dem Wirkstoff Dexamethason durch. Dieser wird vor einigen Chemotherapien gegen die Übelkeit verabreicht und schmeckt besonders bitter. Es gelingt den Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, die starke Bitterkeit zu überdecken – mit einer Kombination aus Bitterblockern, Süßungsmitteln und Himbeeraroma. 

Die Kunst der perfekten Konsistenz

Eine echte Herausforderung ist es allerdings, die Masse so flüssig hinzubekommen, dass sie gut durch den Drucker läuft. Nur dann kann dieser daraus schichtweise eine Tablette aufbauen. Nach dem Erkalten ist es wichtig, dass die Masse die richtige Konsistenz hat – nicht mehr flüssig, aber auch nicht wie ein Weingummi, das zwischen den Zähnen hängen bleibt. Im Mund soll sie sich dann beim Kauen schnell auflösen, sodass der Wirkstoff zügig und vollständig ins Blut gelangt. 

Mit dem 3D-Drucker zum Innovationspreis

Mit viel Expertise und Tüftelarbeit haben die Entwickelnden es schließlich geschafft: Ein echter Durchbruch, denn jetzt können sie das Dexamethason exakt dosiert in unterschiedlichen Formen, bunter Farbe und mit Himbeergeschmack herstellen. 

Schon 2023 wurde das Apothekenteam des UKE dafür ausgezeichnet, dass sie die Eignung des 3D-Druckes von Tabletten für die Klinik erprobt haben: Der Berufsverband der Krankenhausapotheker verlieh ihnen den Innovationspreis für gelungene Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Klinischen Pharmazie. Nun geht der 3D-Druck in die die nächste Phase, Richtung Anwendung in der Routineversorgung.

Auf dem Weg in die Kinderklinik 

Noch befindet sich das Projekt in der Pilotphase. Aktuell wird die Akzeptanz und die Arzneimitteltherapiesicherheit der entwickelten Kautabletten im Vergleich zu den herkömmlichen Tabletten überprüft. Die Forscherinnen und Forscher sind gespannt, wie die Kinder die neuen Kautabletten aufnehmen. Die Versuchsphase läuft bis 2026. Sollten sich die 3D-gedruckten Medikamente bewähren, wollen die Forschenden weitere Anwendungsmöglichkeiten versuchen, beispielsweise in der Therapie von Erwachsenen oder auch durch die Kombinationen mehrerer Wirkstoffe in einer Tablette. „Bestenfalls etablieren wir damit 3D-Drucker in der Medikamentenherstellung“, sagt Dr. Dadkhah mit Blick in die Zukunft der personalisierten Arzneimitteltherapie. 

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