Europa gemeinsam gegen Krebs

Auf der Konferenz „Improving Cancer Care in Europe“ am 3. September 2020 trafen sich wichtige Akteure aus Medizin und Politik, um Europas Kooperation in Krebsforschung und -versorgung voranzutreiben. Auch Vertreter der Dekade gegen Krebs waren dabei.

Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Rachel, BMBF

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatsekretär im BMBF, der die Nationale Dekade gegen Krebs vorstellte, freute sich, dass in der Initiative "bereits nach so kurzer Zeit eine völlig neue und offene Art der Zusammenarbeit über die üblichen Disziplingrenzen hinweg entstanden ist.“

Uwe Anspach/DKFZ

Angesichts der großen Herausforderungen, die sich die Gesundheitssysteme in Europa aufgrund der steigenden Zahl von Menschen mit und nach einer Krebserkrankung gegenübersehen, kamen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg europäische Expertinnen und Experten sowie Politikerinnen und Politiker zusammen und sprachen auf der gemeinsamen Veranstaltung des DKFZ und des Bundesministerium für Gesundheit (BMG) über aktuelle Fragestellungen der Krebsmedizin und der Gesundheitspolitik.

Zur Aufzeichnung der virtuellen Konferenz (DKFZ)

Zur Eröffnung forderte Gastgeber Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender und wissenschaftlicher Vorstand des Partners der Dekade gegen Krebs DKFZ: „Wir müssen die Krebsprävention bedeutend stärken. Wir müssen den Zugang zur Früherkennung verbessern und Diagnostik und multidisziplinäre Krebstherapie überall auf dem aktuellsten Stand verfügbar machen.“

Europäische Solidarität werde benötigt und alle Stakeholder müssten für einen Zugang aller Menschen zu qualitativ hochwertiger Versorgung und Innovation zusammenarbeiten.

Michael Baumann, Vorstand DKFZ

DKFZ-Vorstand Baumann auf dem Podium der High-level Conference on Improving Cancer Care in Europe.

Livestream DKFZ

Die neuen europäischen Initiativen wie die Entwicklung des Europäischen Plans zur Krebsbekämpfung und die europäische Krebsmission „Conquering Cancer: Mission possible“, aber auch nationale Aktivitäten wie die Nationale Dekade gegen Krebs hält Prof. Baumann für wegweisend. „Sie haben eine Schlüsselbedeutung und sind beispielhafte Impulsgeber für einen Paradigmenwechsel.“

Herr Prof. Baumann und Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart, der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vertrat, waren sich einig, dass die Anstrengungen gegen die Erkrankung intensiviert werden müssen.

Krebs – eine Herausforderung für ganz Europa

In seiner Videobotschaft betonte Margaritis Schinas, Vizepräsident der Europäischen Kommission, die Priorität, die dem Kampf gegen Krebs unter Ratspräsidentin von der Leyen eingeräumt werde. Trotz der Verzögerungen durch die Corona-Pandemie würde der ambitionierte Europäische Plan zur Krebsbekämpfung noch vor Ende des Jahres vorgestellt.

Schaffung eines Europäischen Datenraums für Gesundheitsdaten

Staatssekretärin Tina Bregant vom Gesundheitsministerium Sloweniens, das im ersten Halbjahr 2021 die EU-Ratspräsidentschaft innehaben wird, stellte auf die Bedeutung von verlässlichen Daten für den Fortschritt und die Planung von Aktionen zur Krebsbekämpfung ab. Slowenien werde daher besonderen Wert auf die Schaffung eines „European Health Data Space“ legen, mit dem der Austausch standardisierter Gesundheitsdaten zwischen den Mitgliedsstaaten ermöglicht werden soll.

Hans Kluge, WHO, auf der High level Conference Cancer care in Europe

Hans Kluge, Regionaldirektor für Europa bei der WHO, war per Videoübertragung aus Brüssel zugeschaltet.

Livestream DKFZ

Im Anschluss stellte Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium (BMBF), die Nationale Dekade gegen Krebs vor. Ihr Ziel ist es, Innovationen schnellstmöglich zum Patienten zu bringen. Daher wolle die Dekade „den Weg einer schnellen Umsetzung von Forschungsergebnissen ans Krankenbett unterstützen.“ Genauso wichtig sei es, dass die Erfahrungen und das Wissen aus der Versorgung von Patientinnen und Patienten wieder in die Forschung zurückgespielt werden. Diese Erkenntnisse werden für die Entwicklung neuer, individualisierter Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren dringend benötigt.

WHO-Aufruf zur europäischen Solidarität

Ebenfalls per Video zugeschaltet thematisierte der Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa, Hans Kluge, die bestehende Ungleichheit der Gesundheitsversorgung in verschiedenen Regionen Europas und rief zu verstärkter Solidarität der Mitgliedsstaaten auf, damit niemand zurückgelassen werde. Er kündigte die Vorstellung des neuen Europäischen Arbeitsprogramms – „Gemeinsam für mehr Gesundheit in Europa“ zur besseren Zusammenarbeit aller maßgeblichen Akteure am 14. September 2020 an.

Eröffnung der High level Conference Cancer care in Europe

Konferenzteilnehmer auf dem Podium, v.l.n.r.: U. Weyrich, DKFZ; T. Rachel; A. Sales, portug. Gesundheitsministerium; M. Baumann; T. Gebhart.

DKFZ/Uwe Anspach

Wie wichtig und erfolgreich die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg für eine qualitativ hochwertige Versorgung ist, veranschaulichte der Vortrag von Olaf Witt vom Hopp Children´s Cancer Center in Heidelberg zur INFORM-Register-Studie. Das Register, dessen Aufnahme in die Regelversorgung im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs gefördert wird, ­schafft die Infrastruktur für personalisierte Krebstherapien für Kinder und Jugendliche mit Rückfall und eröffnet ihnen eine zweite Therapiechance unter Einsatz individualisierter Krebstherapien. Durch den Zusammenschluss einer Vielzahl europäischer Zentren gelang es, genügend Datensätze für die Durchführung und Verbesserung von neuen Behandlungsansätzen zu gewinnen.

Gemeinsame Kräfte gegen Krebs bündeln

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass EU-weite Anstrengungen zur Verbesserung der Prävention, Erkennung und Behandlung von Krebs erforderlich sind, um nationale Programme zu ergänzen. Der verstärkte Austausch von Daten und Expertise innerhalb Europas könne bedeutende Verbesserungen für Menschen mit und nach einer Krebserkrankung schaffen.

WEITERE INFORMATIONEN

Übersicht europäischer Maßnahmen gegen Krebs (Webseite der Europäischen Kommission)

Warum braucht es einen Europäischen Plan zur Krebsbekämpfung? (Webseite der Europäischen Kommission)

Horizont Europe - das neue europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)

Mehr zur Mission Cancer, inklusive Download des Zwischenberichts (Juni ´20) des Mission Boards, englisch (Webseite der Europäischen Kommission)