Welt-Hepatitis-Tag

Beim von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufenen Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli denkt man nicht als erstes an Krebs. Doch die Viren, die die Leberentzündung Hepatitis verursachen, können auch onkologische Erkrankungen begünstigen.

Fast 20 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit sind auf Viren und Bakterien zurückzuführen. Die bedeutendsten Erreger sind das Magenbakterium Heliobacter pylori, das Humane Papillom-Virus sowie Hepatitis-B- und -C-Viren. Im Jahr 2018 lösten Infektionen mit den Hepatitis-Viren B und C etwa 520.000 neue Krebsfälle aus – fast alle betrafen die Leber. Grund sind komplexe Prozesse, die die Viruserreger in der Leber auslösen; u.a. kann daraus eine so genannte Leberzirrhose entstehen, die als Hauptrisikofaktor für Leberkrebs gilt.

 Menschlicher Körper mit visualisierter Leber

Die Leber liegt im Oberbauch und ist die größte Drüse sowie zentrales Stoffwechselorgan des Körpers. Da sie schmerzunempfindlich ist, verläuft eine Erkrankung oft unbemerkt.

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Zunahme der Erkrankungszahlen

Sowohl in Deutschland als auch in weiteren europäischen Ländern und den USA nimmt Leberkrebs deutlich zu. In den letzten 35 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen bei Männern und bei Frauen verdoppelt. Auch für das Jahr 2020 wird laut Robert Koch-Institut mit einer Zunahme der Fälle auf insgesamt über 10.000 neuen Erkrankungen gerechnet.

Risikofaktoren für die Entwicklung von Leberkrebs

Die Zunahme wird mit hohen Raten von Hepatitis C-Neuinfektionen in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren, einem hohen Alkoholkonsum sowie einer immer häufiger vorkommenden chronisch verfetteten Leber durch Fettleibigkeit (Adipositas) und Typ2-Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) in Zusammenhang gebracht. All das sind Risikofaktoren für die Entstehung von Leberkrebs.

Mehr zum Einfluss des eigenen Lebensstils auf das Krebsrisiko

Krebs der Leber ist noch zu oft tödlich

Leberkrebs (Synonyme: primäres Leberzellkarzinom, Leberkarzinom, Leberzellkrebs oder Hepatozelluläres Karzinom, kurz: HCC) ist in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts treten derzeit rund 9.000 neue Fälle pro Jahr auf. Doch gleichzeitig versterben im selben Zeitraum fast 8.000 Menschen daran. Leberkrebs gehört damit neben Krebs der Bauchspeicheldrüse zu den tödlichsten Krebsarten.

Das liegt zum einen daran, dass 7 von 10 Leberkrebserkrankungen bislang im nicht mehr heilbaren Stadium festgestellt werden, da die Symptome oft unspezifisch sind und spät einsetzen. Zudem sprechen Lebertumore sehr schlecht auf eine Chemotherapie an und die Prognose hängt vorwiegend davon ab, ob der Tumor vollständig operativ entfernt werden oder eine Lebertransplantation erfolgen kann.

Globales Problem Virushepatitis gemeinsam angehen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung alle Länder ausdrücklich dazu auf, Maßnahmen zur Bekämpfung der Virushepatitis zu ergreifen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte und förderte bereits 2002 das „Kompetenznetz Hepatitis“ und seit 2012 das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) mit dem Forschungsbereich Hepatitis. Beide Institutionen haben zum Ziel, Diagnostik, Behandlung und Prävention von Hepatitis durch Forschung zu verbessern. Einige erfolgsversprechende Ansätze hieraus sind bereits auf dem Weg in die klinische Anwendung.

Förderung im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs

Nun fördert das BMBF im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs ein systemmedizinisches Forschungsnetz zur Früherkennung und Prävention von Leberkrebs (LiSyM-Krebs). Denn früh erkannt kann die Krankheit erfolgreicher behandelt werden. Zudem arbeiten die Forschenden des Netzwerks daran, die Entstehung von Leberkrebs besser zu verstehen, vorherzusagen und im besten Fall sogar zu verhindern.

Die Aufklärung grundlegender Mechanismen bei der Entstehung von Leberkrebs und die Entwicklung von Diagnosetools und Präventivmaßnahmen sind dafür essenziell. Im Fokus der Maßnahme stehen die Schlüsselprozesse, die zu Leberkrebs führen können. Dabei sollen über innovative systemmedizinische Forschungsansätze neue und verbesserte Verfahren zur Frühdiagnose und Prävention von Leberkrebs entwickelt werden, die individualisierte Therapiemaßnahmen erlauben und einen möglichen Krankheitsverlauf besser vorhersagen können.

Hepatitis-B-Viren verändern die menschliche DNA

Viren können die Krebsentstehung auf unterschiedliche Weise fördern. Hepatitis-B-Viren gelingt es beispielsweise, Teile ihres Erbgutes in die DNA menschlicher Zellen einzubauen und damit deren Wachstumsprozesse so zu beeinflussen, dass sie sich der Kontrolle des Organismus entziehen. Solche Prozesse gilt es im Detail aufzuklären.

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LiSyM-Krebs basiert auf den erfolgreichen Forschungsaktivitäten des BMBF-Vorgängerprogramms LiSyM (Systemmedizin der Leber). Hier konnten Forschende – u.a. durch bioinformatische Auswertung von auf Computern simulierten biologischen Systemen – einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung grundlegender Mechanismen bei der Entstehung von Lebererkrankungen wie der nichtalkoholischen Fettleberkrankheit leisten. Da der Anteil an übergewichtigen Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine Fettleber entwickeln, in den westlichen Industrienationen immer mehr zunimmt und diese Erkrankung in Deutschland wesentlich für den Anstieg der Leberkrebsfälle verantwortlich ist, stellen die in LiSyM begonnenen Forschungsarbeiten eine wichtige Basis für die Bearbeitung onkologischer Forschungsfragen dar.

Die entstandenen Erkenntnisse und methodischen Ansätze sollen für die Umsetzung der Ziele des Forschungsnetzes LiSyM-Krebs genutzt und weiterentwickelt werden. Für die Maßnahme LiSyM-Krebs wird ein interdisziplinäres Netzwerk aus ganz Deutschland gebildet, in dem die einzelnen Arbeitsgruppen übergreifend zusammenarbeiten.

WEITERE INFORMATIONEN

Richtlinie zur Förderung eines systemmedizinischen Forschungsnetzes zur Früherkennung und Prävention von Leberkrebs (LiSyM-Krebs) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs

Hepatitis: eine unterschätzte Krankheit mit hoher Dunkelziffer (Newsletter Gesundheitsforschung des BMBF)

Wie sich Krebs im Allgemeinen noch gezielter verhindern oder früh erkennen lässt, damit beschäftigt sich die AG Prävention der Dekade gegen Krebs.