Gemeinsam stark für den Kampf gegen Krebs

Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, hat auf seiner Sommerreise die Krebsforschungszentren NCT und OncoRay in Dresden besucht. Eine Station, die ihm besonders am Herzen lag.

Es ist 11 Uhr, als der Wagen vorfährt. Am OncoRay, dem Nationalen Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie, wird Thomas Rachel als Vorsitzender des Strategiekreises der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ herzlich begrüßt.

Staatssekretär Thomas Rachel schaut durch eine VR-Brille.

Die Informatik-Professorin Stefanie Speidel (Mitte) erläutert Thomas Rachel, wie die 3D-Brille den Chirurgen künftig bei der Planung und Durchführung von Tumoroperationen helfen soll.

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Jedes Jahr bekommen fast 480.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Innovative, wirksame Therapien sind deshalb dringend gefragt. Für besonders erfolgversprechend hält Martin Bornhäuser, Direktor des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT), die enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis. Eine Verbindung, die am NCT Realität ist. Unter einem Dach befinden sich hier die Labore der Wissenschaftler und die Klinikräume für Krebspatienten. Forschungsergebnisse können so schnellstmöglich in klinische Studien und Therapien umgesetzt werden. 2020 wollen Bornhäuser und seine Kollegen einen Neubau beziehen, in dem sogar ein Operationssaal der Zukunft eingerichtet wird. Dort wollen Wissenschaftler computergestützte und roboterassistierte chirurgische Eingriffe sowie moderne Bildgebungsverfahren einsetzen und weiter erforschen. Dazu gehört auch der Einsatz einer Virtual-Reality-Brille. Wie die funktioniert und auf welche Weise sie Chirurgen unterstützen kann, erfährt Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel hautnah im Praxistest.

Präzise Therapien dank Hightech

Der Blick durch die futuristisch anmutende Brille ist zunächst einmal ungewohnt. Stefanie Speidel erklärt die Bedienung. Die Informatik-Professorin hat die Technologie gemeinsam mit ihrer Forschungsgruppe am NCT entwickelt. Thomas Rachel ist fasziniert. Dreidimensional kann er damit einen Tumor im Gewebe einer Leber betrachten. Alle Gefäße sind deutlich zu sehen. Für den Chirurgen ist das bei einer OP äußerst hilfreich, denn die sensiblen und lebenswichtigen Strukturen müssen intakt bleiben. Die Brille ist deshalb während einer Operation, aber auch zur Vorbereitung sehr nützlich. Selbst zur Aufklärung der Patienten oder zum Training junger Ärzte ist die Technologie bestens geeignet.

Von der virtuellen Realität geht es zurück ins echte Leben und hinunter in den hermetisch abgeschotteten Keller zur Protonenstrahlanlage des Forschungszentrums OncoRay. Dort erfährt Thomas Rachel von Mechthild Krause, der Leiterin des Zentrums, wie die Patienten behandelt werden und was die Wissenschaftler an der Technologie verbessern wollen, um Tumoren noch präziser bestrahlen zu können. Denn nur durch höchste Genauigkeit bleibt gesundes Gewebe verschont. Dafür haben die OncoRay-Forscher bereits eine Kamera entwickelt, welche die Reichweite des Protonenstrahls im Patienten misst.

Staatssekretär Thomas Rachel schaut durch ein Mikroskop.

Beim Blick durchs Mikroskop kann Thomas Rachel beobachten, wie sich ein Test-Medikament in der Krebszelle verteilt.

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Eins für einen statt eins für alle

Thomas Rachel zeigt sich beeindruckt. Viel Zeit für Fragen bleibt jedoch nicht, der nächste Patient wartet bereits auf seine Behandlung. Eine Etage höher empfängt Claudia Ball den Staatssekretär vor dem biologischen Labor. Weiße Kittel und Gummihandschuhe liegen bereit, denn es herrscht Sicherheitsstufe zwei. Hier wird mit Krebszell-Linien von Patienten experimentiert. Die promovierte Biologin erläutert, dass sie Substanzen testet, die das Zellwachstum hemmen und damit für die Krebsbehandlung geeignet sind. Thomas Rachel kann selbst einen Blick ins Mikroskop werfen und sehen, wie sich das Medikament in den Krebszellen verteilt. Ziel ist es, den Patienten eine auf den jeweiligen Tumor individuell zugeschnittene Therapie zu verabreichen. Da das Genom eines jeden Tumors in unterschiedlicher Weise verändert ist, sind individualisierte Behandlungen die Zukunft in der Krebstherapie.

Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen

Martin Bornhäuser (Mitte) und Mechthild Krause zeigen Thomas Rachel den Neubau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen, den Wissenschaftler und Ärzte 2020 beziehen wollen.

BMBF/Hans-Joachim Rickel

Dresden als Vorreiter

Es ist kurz vor eins am Mittag, als Thomas Rachel und seine Gastgeber zur letzten Station aufbrechen: zum Neubau des NCT, der auf dem Campus des Dresdner Uniklinikums entsteht. Rachel betont, wie wichtig international hochrangige Krebsforschung und die zügige Translation in die Praxis zum Wohle der Patienten sind – so wie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Dresden. Das äußerst erfolgreiche Modell soll im Rahmen der „Nationalen Dekade gegen Krebs“ mit weiteren Standorten in Deutschland ausgeweitet werden, betont Thomas Rachel vom BMBF. Ziel ist es, dass allen Krebspatienten – ob in der Stadt oder auf dem Land – die bestmöglichen Therapien zugutekommen. Ein letztes Händeschütteln, dann steigt Thomas Rachel wieder ins Auto. Aber schon jetzt steht fest: er wird wiederkommen, um die Entwicklung des NCT in Dresden weiter zu verfolgen, das eine Vorreiterrolle für die zukunftsweisende Krebsforschung und Patientenversorgung einnimmt.