Forschung zu familiär erhöhtem Mundkrebs-Risiko

Menschen mit familiärer Veranlagung für Krebs benötigen eine auf sie abgestimmte Versorgung. Ein Projekt eines BMBF geförderten Forschungsverbundes widmet sich den speziellen Bedürfnissen von Betroffenen einer solchen Erkrankung – der Fanconi-Anämie.

Es gibt Familien, in denen bestimmte Krebsarten gehäuft auftreten. Bei den Betroffenen funktioniert aufgrund eines vererbbaren Gen-Defekts der körpereigene Reparaturmechanismus nicht, der normalerweise für uns unbemerkt dafür sorgt, dass veränderte Zellen sich nicht zu Krebszellen entwickeln. Zu Zellveränderungen (Mutationen im Erbgut der Zelle) kommt es bei jedem von uns tagtäglich, beispielsweise durch Kopierfehler im Rahmen der Zellerneuerung oder durch krebserregende Einflüsse wie UV-Strahlung, Alkoholkonsum oder Zigarettenrauch. Können die Zellschäden nicht repariert werden, kann daraus eine erste Krebszelle entstehen. Daher ist bei den so Vorbelasteten das Krebsrisiko drastisch erhöht.

Entnahme einer Probe aus dem Mund einer Patientin

Ein Abstrich von Schleimhautzellen soll zukünftig ausreichen, um Mundkrebs nachzuweisen. (Symbolbild)

Adobe Stock/Andrey Popov

Da Strahlen- und Chemotherapie nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen schädigen, sind diese Therapieformen für die Betroffenen gefährlich. Ihr Körper kann die entstehenden Schäden an den Körperzellen nicht beseitigen mit der Folge von lebensbedrohlichen Nebenwirkungen oder gar weiterer Entstehung von Krebszellen. Daher stehen nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Um die medizinische Versorgung von Personen mit gestörter Erbgut-Reparatur weiter zu verbessern, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Konsortium „Translationale Forschung für Personen mit abnormer DNA-Reparatur“ mit mehr als zwei Millionen Euro für drei Jahre. In neun Teilprojekten arbeiten Expertinnen und Experten aus Ärzteschaft, Wissenschaft, Psychosomatik und Genetik aus Düsseldorf, Hannover, Heidelberg und Würzburg unter Beteiligung von Patientenvertreterinnen und -vertretern zusammen. Das Vorhaben dient als Modellansatz für andere sogenannte Seltene Erkrankungen.

Verbesserte Früherkennung von Mundschleimhautkarzinomen

Eines der Teilprojekte beschäftigt sich am Standort Düsseldorf mit der Verbesserung der Mundkrebs-Früherkennung bei Menschen mit Fanconi-Anämie (FA), einer seltenen Erkrankung, bei der aufgrund eines erblichen DNA-Reparaturdefekts – neben anderen Symptomen – das Risiko für die Entwicklung von malignen (bösartigen) Tumoren der Mundschleimhaut 500-700fach erhöht ist. Die Betroffenen werden regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen unterzogen, denn bei rechtzeitiger Entdeckung kann dieser Krebs noch gut mittels Operation entfernt werden, sodass weder Chemo- noch Strahlentherapie nötig werden.

Abbildung einer Mundschleimhautkrebszelle in der Fluoreszenz in situ Hybridisierung

Eine Mundschleimhautkrebszelle in der Fluoreszenz in situ Hybridisierung; deutlich zu sehen ist das hier überdurchschnittlich häufig vorkommende Onkogen Myc (gelb markiert). Onkogene sorgen dafür, dass die Genregulation nicht mehr funktioniert und Krebs entsteht.

Dr. Martin Schramm, Abtl. Zytopathologie der Uni Düsseldorf

Ziel des Teilprojektes ist es, die Methoden zur Früherkennung von Mundschleimhautkarzinomen zu verbessern. Die Düsseldorfer Forschenden um den Projektleiter und Zellspezialisten Dr. Martin Schramm erproben daher erstmals die Kombination von zwei Methoden für die Früherkennung des Mundkrebses: Sie gewinnen mittels schonender Bürstenabstriche verdächtiger Schleimhautbereiche Zellen, die sie anschließend mit der Fluoreszenz in situ Hybridisierung (FISH) auf bösartige Veränderungen bzw. deren Vorstufen prüfen. Der Bürstenabstrich ist für die Patientinnen und Patienten deutlich schonender als die bisher notwendige Gewebeentnahme aus dem Mundraum mittels Biopsie. Zumal es nicht möglich ist, bei den zahlreichen bei Fanconi-Patientinnen und -Patienten vorliegenden verdächtigen Bereiche im Mund an jeder Stelle eine Biopsie durchzuführen.

Ein weiterer Schwachpunkt des bisherigen Standard-Vorgehens ist, dass die in der Biopsie entnommenen Gewebeproben üblicherweise mit einer DNA-Zytometrie (eine mikroskopische Untersuchung der Zellen auf Veränderungen) untersucht werden. Doch diese kann nur dann angewendet werden, wenn sich in der Gewebeprobe eine ausreichende Anzahl an verdächtigen Zellen befindet. Daher konnten nach Angabe von Schramm bislang etwa die Hälfte der entnommenen Proben nicht weiter auf ihre Bösartigkeit hin untersucht werden. FISH lässt sich dagegen bereits bei Proben mit deutlich weniger verdächtigen Zellen anwenden.

Mit ihrem Vorgehen (Bürstenabstrich plus FISH) erhoffen sich die Düsseldorfer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, in Zukunft Krebszellen der Mundschleimhaut und ihre Vorstufen schonender und zuverlässiger nachweisen zu können.