Ernährungs- und Lebensstilforschung weiter verbessern

Das BMBF fördert transnationale Projekte, die die Erfassung von Daten zum Lebensstil objektivieren. Das Ziel: Die Aussagekraft zukünftiger Studien zur Auswirkung von Ernährung und körperlicher Aktivität auf das individuelle Krebsrisiko erhöhen.

Ein ungesunder Lebensstil und der wachsende Anteil älterer Menschen in der Gesamtbevölkerung gehen mit einer steigenden Zahl von chronischen Erkrankungen wie Krebs einher. Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass sich durch einen gesunden Lebensstil etwa 40 Prozent der Krebserkrankungen vermeiden ließen. Mehr Wissen über den Zusammenhang von selbst beeinflussbaren Faktoren wie Ernährung und Bewegung sowie der Entwicklung von schweren Erkrankungen wie Krebs eröffnet neue Möglichkeiten der Prävention.

Lebensstilfaktoren beeinflussen Krebsrisiko

Der Lebensstil hat einen Einfluss auf das individuelle Krebsrisiko. Doch welche Faktoren genau welche Auswirkung haben, muss weiter untersucht werden. Mehr Wissen darüber eröffnet Präventionsmöglichkeiten. Für verlässliche Forschungserkenntnisse bedarf es objektiver Messmethoden.

Erste Hinweise auf Faktoren, die die Krebsentstehung beeinflussen, erlangt man in so genannten Beobachtungsstudien. Hierbei werden über einen längeren Zeitraum die Gewohnheiten von vielen Menschen erfasst. Das kann beispielsweise das Gewicht der Personen sein, ihre Ernährungsgewohnheiten (z.B. ob sie viel Obst/Gemüse oder eher viel Fleisch essen, ob sie Kaffee oder Tee trinken) oder wieviel sie sich bewegen. Nach einem längeren Beobachtungszeitraum kann man sich anschauen, ob Krebs bei Personen mit bestimmten Gewohnheiten häufiger oder seltener aufgetreten ist. Das gemeinsame Auftreten von einzelnen Faktoren und einer Krankheit nennt man Korrelation. Dies ist ein erster Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang, der allerdings noch durch weitere Studien bestätigt werden muss (s. Kasten).
 

Beobachtungsstudien sind ein wichtiger, aber erster Schritt

Beobachtungsstudien lassen keine hinreichende Aussage über die Ursache (Kausalität) einer Erkrankung zu. Man kann also noch nicht sagen, das Lebensmittel X löst Krebs aus oder ein anderes schützt davor. Denn möglicherweise spielen weitere Faktoren mit hinein, die nicht erhoben oder bedacht wurden.

So kann sich in solchen Studien vielleicht zeigen, dass Menschen, die Bioprodukte essen, weniger Krebs bekommen. Doch womöglich ist es so, dass diese Personengruppe insgesamt gesundheitsbewusster lebt, z.B. sich viel an der frischen Luft bewegt. Wurde dies nicht ebenso erfragt, wird nicht ersichtlich, welche Verhaltensweise die ausschlaggebende ist oder ob es sich nicht sogar eher um ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren handelt.

Damit im ersten Schritt Beobachtungsstudien möglichst verlässliche Ergebnisse liefern, ist auch die Art, wie die Daten erfasst werden, von großer Bedeutung. Häufig werden die Versuchspersonen befragt bzw. führen ein Tagebuch über ihre Gewohnheiten. Doch bekanntermaßen bestehen bei der Erfassung Diskrepanzen zwischen dem, was Probandinnen und Probanden selbst berichten und der Messung mit gerätebasierten Methoden beziehungsweise dem tatsächlichen Verhalten.

Dasselbe gilt für den Vergleich der selbst berichteten Aufnahme von Nährstoffen und/oder Lebensmitteln mit den Werten für spezifische Biomarker. Biomarker sind im Körper messbare Indikatoren, die objektiv Auskunft über normale oder krankhafte Prozesse geben. Das kann beispielsweise ein Stoffwechselprodukt (Metabolit) sein, das bei zu wenig körperlicher Aktivität oder fetter Ernährung in erhöhtem oder geringerem Maße als üblich nachweisbar ist.

BMBF-Fördermaßnahme

Die BMBF-Förderung soll daher exzellente transnationale Forschungskonsortien unterstützen, die verbesserte Methoden und Instrumente zur Erfassung und Bewertung von Ernährung und körperlicher Aktivität entwickeln und damit die Qualität der Ernährungs- und Lebensstilforschung erhöhen. Dabei könnte die Integration von mehr als einem Instrument/einer Methode zur Erfassung des Ernährungsverhaltens und der körperlichen Aktivität eine vielversprechende Strategie darstellen, um die Qualität der erhobenen Informationen zu verbessern und damit die Aussagekraft der Studienergebnisse zu erhöhen.

Wie sich Krebs effektiv verhindern lässt, ist der Arbeitsschwerpunkt der Arbeitsgruppe Prävention der Dekade gegen Krebs.

Die Bedeutung von Daten in der Gesundheitsforschung ist ein Thema, mit dem sich die Arbeitsgruppe Wissen generieren durch Vernetzung von Forschung und Versorgung der NDK befasst.

Darüber hinaus bringen die anfallenden großen Datenmengen („Big Data“), insbesondere aus der Erfassung von Veränderungen in der Zusammensetzung der Stoffwechselprodukte (Metabolomics), die bei körperlicher Aktivität oder Inaktivität bzw. je nach Ernährungsart auftreten, und die in großen Stichproben über längere Zeiträume gesammelt werden, neue wissenschaftliche Herausforderungen mit sich.

Die Kenntnis darüber, wie verschiedene Lebensstilfaktoren die Stoffwechselprodukte verändern und welchen Einfluss dies auf das Entstehen von Krebs hat, ermöglicht es, nach aussagekräftigen Metaboliten beispielsweise im Blut zu suchen. So lassen sich diese als Biomarker nutzen. Damit ließen sich selbst berichtete Aussagen von Studien-Teilnehmenden abgleichen. Zudem könnten im nächsten Schritt auch Screeningtests entwickelt werden, mit denen das individuelle Risiko einer Person anhand solcher Biomarker ermittelt und ggf. präventive Maßnahmen ergriffen werden könnten.

Das erlangte Wissen soll langfristig bessere Empfehlungen und Richtlinien bezüglich Ernährung und körperlicher Aktivität ermöglichen. Die Umsetzung soll den Bürgerinnen und Bürgern in Europa und darüber hinaus einen gesunden Lebensstil ermöglichen.

Die Richtlinie zur Förderung von transnationalen Forschungsprojekten zum Thema Standardisierte Erfassung, Monitoring und/oder Biomarker zur Untersuchung der Nahrungsaufnahme, der körperlichen Aktivität und der Gesundheit wird im Rahmen der gemeinsamen Programminitiative „Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben“ ausgeschrieben. Sie wurde 2010 als freiwilliger und partnerschaftlicher Zusammenschluss von Mitgliedstaaten und assoziierten Staaten der Europäischen Union gegründet, um den genannten Herausforderungen zu begegnen.

WEITERE INFORMATIONEN

Zusätzliche wichtige Informationen zu dieser transnationalen Bekanntmachung sind dem englischsprachigen Bekanntmachungstext und den zugehörigen Internetseiten zu entnehmen.

Mit dieser Fördermaßnahme leistet das BMBF einen Beitrag zur Ausgestaltung des Handlungsfelds 1 im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung (PDF) der Bundesregierung.