DIAGNOSE – Neue Diagnose-Methoden verbessern Heilungschancen

Je früher Krebs erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Hier setzt Forschung an im Kampf gegen Krebs. Individualisierte Medizin zum Beispiel gibt begründeten Anlass zur Zuversicht.

Kaum eine Krankheit ist so gefürchtet wie Krebs. Dabei haben immer mehr Menschen, die an Krebs erkranken, eine Zukunft. Jährlich wird bei rund 500.000 Menschen in Deutschland Krebs entdeckt. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Hier setzt Forschung wie beispielsweise individualisierte Medizin an.

Diagnose DKFZ NCT Radiologie

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum/Tobias Schwerdt

Die Krebsforschung hat viele neue Erkenntnisse zur Vorbeugung, Vorsorge, Behandlung und Nachsorge gewonnen. Studien belegen, dass fünf Jahre nach der Krebs-Diagnose mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten leben. Das sind so viele wie nie zuvor. Bei etlichen Krebsarten besteht zudem die Chance auf eine dauerhafte Heilung. Dennoch sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 230.000 Menschen an Krebs.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt Forschungsprojekte im Kampf gegen den Krebs. Je früher er erkannt wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung oder ein erträgliches Leben mit der Krankheit. Daher liegt ein Schwerpunkt der Forschungsförderung darauf, neuartige diagnostische Methoden und Verfahren zu entwickeln. Programme zur ,Individualisierten Medizin' gelten dabei als vielversprechend für die Zukunft. In den vergangenen Jahren hat es große Fortschritte bei der individualisierten Krebstherapie mit zielgerichteten Substanzen gegeben. Diese neuartigen Medikamente attackieren gezielt molekulare Veränderungen im Tumorgewebe und helfen damit vielen Menschen, die an Krebs leiden. Vor jeder Behandlung ist allerdings eine umfassende molekulare Diagnostik erforderlich, um die tumortreibenden Genveränderungen zu identifizieren und eine optimale Therapieentscheidung treffen zu können. In dem Bereich gibt es noch erheblichen Forschungsbedarf. Die Nationale Dekade gegen Krebs legt deshalb auch einen Fokus auf die Verbesserung der Krebsdiagnostik.


Plattform Lernende Systeme: Mit KI gegen Krebs

Wie Künstliche Intelligenz (KI) in naher Zukunft die Heilungschancen für Lungenkrebs verbessern kann, zeigt die vom BMBF geförderte Plattform Lernende Systeme in ihrem neuen Anwendungsszenario​.

Wie KI die Heilungschancen von Lungenkrebspatientinnen und -patienten verbessern kann, zeigt die Plattform Lernende Systeme in ihrem Anwendungsszenario.

Quelle: Plattform Lernende Systeme

Das Szenario veranschaulicht, wie Ärztinnen und Ärzte mithilfe KI-basierter Assistenzsysteme auf weltweite medizinische Informationsquellen zugreifen - von der Vorsorge über die Diagnose bis hin zur Therapie. So könnten Krebspatienten schneller von Forschungsergebnissen profitieren.

Mehr zur Plattform Lernende Systeme

Der Lungentumor ist eine der häufigsten Krebsarten. Nur etwa jeder fünfte Patient lebt länger als fünf Jahre nach der Diagnose. Im Zentrum des Anwendungsszenarios „Mit Künstlicher Intelligenz gegen Krebs“, das die Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“ der Plattform Lernende Systeme erarbeitet hat, steht ein KI-basiertes Assistenzsystem, welches in rund fünf Jahren Ärztinnen und Ärzte bei ihrer Entscheidungsfindung unterstützt.

Über eine Datenplattform werden das umfangreiche medizinische Wissen, neueste Leitlinien und weltweite, anonymisierte Patientendaten miteinander verknüpft. Auch die individuellen Daten eines Patienten fließen auf dessen Wunsch in die Plattform ein. Künstliche Intelligenz ermöglicht es, die riesigen Mengen an Versorgungsdaten und den stark wachsenden Wissensschatz auszuwerten und zu analysieren. Mithilfe der Ergebnisse können Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten maßgeschneidert beraten und Prävention, Früherkennung und Behandlung von Lungenkrebs verbessern.

Daten für Forschungszwecke nutzen

„Wir stehen vor der Herausforderung, die Patientendaten aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen“, sagt Klemens Budde, Oberarzt an der Charité Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“. „Im Moment liegen die Daten in Datensilos, das heißt die Hausärzte, die Krankenhäuser oder die Krankenkassen verfügen jeweils nur über ihre eigenen Daten. Um die Daten auf einer Plattform zu sammeln, brauchen wir die Zustimmung des Patienten oder der Patientin zur freiwilligen Datenspende. So können wir diese Daten in anonymisierter Form für Forschungszwecke oder zur Verbesserung der Heilungschancen für Krebspatientinnen und -patienten verwenden.”

Auch CT-Bilder der Lunge lassen sich mit Künstlicher Intelligenz genauer auswerten: Bei Operationen werden KI-basierte Navigationssysteme den Chirurgen unterstützen, indem sie zum Beispiel warnen, wenn der Arzt einem wichtigen Blutgefäß zu nahekommt.

Damit Lernende Systeme in Zukunft den Krebspatientinnen und -patienten zu Gute kommen können, sind noch einige Herausforderungen zu meistern. Wie schützen wir die personenbezogenen Daten vor Missbrauch? Wer haftet für mögliche Fehleinschätzungen Lernender Systeme? Und wie können die Einschätzungen von KI-Systemen transparent und nachvollziehbar werden? Diesen Fragen widmen sich die Expertinnen und Experten der Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“.

Die Multimediareportage zum Anwendungsszenario finden Sie unter: 


Nach der Diagnose: Information und Wissen bauen Ängste ab

In den ersten Tagen verändert das Wissen, an Krebs erkrankt zu sein alles: Sie bestimmt plötzlich das Leben, sie stellt private und berufliche Pläne infrage. Der Alltag muss rund um notwendige Untersuchungstermine und die Behandlungsplanung neu organisiert werden. Zudem taucht eine Fülle von Fragen auf. Denn unter der Bezeichnung Krebs wird eine ganze Reihe von Erkrankungen zusammengefasst, die sehr verschiedene Symptome und Verläufe haben können. Eines verbindet sie: Der Oberbegriff Krebs ist wie kein anderer mit starker Angst verknüpft. Doch Information und Wissen können helfen, diese Furcht abzubauen und trotzdem hoffnungsvoll nach vorne zu schauen. Um einen kostenlosen, neutralen und vertraulichen Informationsservice zum Thema Krebs anzubieten, wurde in Deutschland 1986 der Krebsinformationsdienst (KID) etabliert. Das Angebot des KID richtet sich an Patientinnen und Patienten, Interessierte und Fachpersonal. Geschulte Ärztinnen und Ärzte des KID beantworten Fragen per E-Mail oder am Telefon. Die Internetseiten des KID bieten verständliche und wissenschaftlich fundierte Informationen: https://www.krebsinformationsdienst.de/

Professor Michael Baumann, Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg

„Wenn wir Krebs möglichst frühzeitig entdecken, können Patienten in vielen Fällen heilend behandelt werden. Dazu entwickeln und verbessern wir das Instrumentarium an bildgebenden Verfahren. Sie sollen nicht nur anatomische Informationen liefern, sondern zugleich Hinweise auf die Aggressivität der Erkrankung geben, damit wir die adäquate Therapie wählen können. Dringend erforderlich sind darüber hinaus diagnostische Biomarker, die das Krebsrisiko anzeigen oder an denen wir mitverfolgen können, ob der Tumor auf eine Behandlung anspricht oder ob der Krebs zurückkehrt. Dazu ist noch viel Forschung notwendig.“