Behandlung von Fatigue verbessern

Für die Behandlung von Fatigue, einem körperlichen und seelischen Erschöpfungssyndrom, das häufig bei Krebspatienten auftritt, gibt es bisher keinen Goldstandard. Eine Übersichtsarbeit will vorhandene Erkenntnisse bündeln, um Empfehlungen abzuleiten.

Vollkommen erschöpft – so fühlen sich etwa drei Viertel aller Krebspatientinnen und -patienten im Laufe ihrer Erkrankung, manchmal auch erst nach beendeter Therapie.

Die sogenannte tumor-assoziierte Fatigue zählt zu den schwerwiegenden und langwierigen Auswirkungen einer Krebserkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Sie kann durch die Erkrankung selbst, aber auch durch die Behandlung hervorgerufen werden.

Beratungssituation: Arzt und Patientin

Im Rahmen von FATI gibt es mehrere Diskussionsrunden mit Betroffenen, um deren Einschätzung zu Fatigue einzubinden. 

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Hauptsymptome einer Fatigue sind starke Müdigkeit, quälende Erschöpfung und damit einhergehende Konzentrations- und Motivationsschwierigkeiten, die in keinem Verhältnis zu vorangegangenen Aktivitäten stehen. Die Symptome lassen sich im Gegensatz zu normaler Erschöpfung nach körperlichen, geistigen oder seelischen Anstrengungen bei Gesunden nicht durch ausreichend Schlaf oder Ruhephasen bessern. Fatigue führt darüber hinaus zu emotionalen Veränderungen wie Lustlosigkeit und Niedergeschlagenheit, sowohl infolge der Erschöpfung als auch als eigenständiges Symptom.

Patientinnen und Patienten nennen häufig Fatigue als das Symptom, was sie während und nach einer Krebsbehandlung am stärksten belastet. . Dennoch gibt es für die Behandlung bisher keine einheitlichen, dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechenden Empfehlungen, die bei Therapieentscheidungen helfen könnten. Zum einen ist weitere Forschung zu diesem Themengebiet nötig. Zum anderen mangelt es an systematischer Sichtung und Bewertung bereits vorhandener Erkenntnisse aus der klinischen Forschung.

Hier setzt FATI an – ein Cochrane Review* über Interventionen zur Behandlung von Fatigue bei erwachsenen Krebspatientinnen und Krebspatienten, koordiniert von der Universität Köln. Anhand der qualitativ hochwertigsten weltweit verfügbaren klinischen Studien sollen Nutzen und Risiko vorhandener Therapieoptionen untersucht und der beste Behandlungsansatz für Fatigue identifiziert werden. Dafür werden vorliegende Studien zu verschiedenen Ansätzen zur Besserung einer Fatigue näher analysiert. Körperliche Aktivität gilt als ein sehr wichtiger Faktor zur Linderung einer Fatigue, daher finden Studien, die den Effekt von Krafttraining und Ausdauertraining untersuchen, Eingang in die Untersuchung. Des Weiteren werden beispielsweise Studien mit einbezogen, die auf Achtsamkeit-basierende Techniken und Meditationstechniken sowie Medikamente wie Psychostimulanzien untersucht haben.

FATI berücksichtigt die Interessen von Patientinnen und Patienten: Im Laufe des Projekts werden mehrere Diskussionsrunden mit Betroffenen durchgeführt, um herauszufinden, welchen spürbaren Nutzen sich die Patientinnen und Patienten selbst hinsichtlich patientenrelevanter Endpunkte wie Lebensqualität und Besserung von Nebenwirkungen durch eine Behandlung wünschen und erwarten. Anhand dieser Erkenntnisse können Studien mit dementsprechenden Endpunkten ausgewählt und analysiert werden.

Das Projekt ist gerade gestartet und wird bis 2022 vom BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Klinische Studien mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung" gefördert. Die Ergebnisse sollen zukünftig in die einschlägigen Behandlungsleitlinien zur Versorgung von Menschen mit tumor-assoziierter Fatigue einfließen. So können aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung in konkrete Therapiemöglichkeiten umgesetzt werden.

* Systematische Übersichtsarbeiten, die über Cochrane veröffentlicht werden (Cochrane Reviews), folgen besonders hohen Qualitätsstandards im Bereich Erstellung und Verbreitung solcher Analysen. Die Cochrane Collaboration ist ein internationales, unabhängiges Netzwerk aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ärztinnen und Ärzten, Angehörigen der Gesundheitsfachberufe, Patientinnen und Patienten und weiteren an Gesundheitsfragen interessierten Personen.