Aktionsmonat zum Speiseröhrenkrebs

Der "ESOPHAGEAL CANCER AWARENESS MONTH“ April soll für Speiseröhrenkrebs sensibilisieren. Die Dekade gegen Krebs fördert Therapieoptimierungsstudien. Eine von ihnen – ESORES – trägt zur Verbesserung der Lebensqualität Betroffener bei.

Forschung im Rahmen der Dekade

ESORES gehört zu den 13 Projekten, die das Potential zu einer „praxisverändernden Studie“ haben, mit denen die gängige Versorgungspraxis überprüft und ggf. verbessert werden soll. Im Rahmen der Dekade gegen Krebs erfolgt eine Förderung dieser ausgewählten Forschungsvorhaben in zwei Phasen.

Derzeit befinden sich die Projekte in der Konzeptentwicklungsphase, in der wissenschaftliche Planungsarbeiten durchgeführt werden. Mit Ende der ersten Phase ist, aufbauend auf den gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnissen, ein detaillierter Antrag zur Realisierung der Studie vorzulegen. Über die Weiterförderung zur Realisierung der Studie wird dann nach Begutachtung¬ voraussichtlich im April 2021 entschieden.

An Krebs der Speiseröhre (Ösophagus) erkranken jährlich 1.740 Frauen und 5.540 Männer. Von hundert betroffenen Frauen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch 24, von 100 Männern sind es sogar nur 22. Damit ist Speiseröhrenkrebs eine Krebsart mit einer hohen Sterblichkeit.

Die Behandlung und die Prognose ist vom jeweiligen Tumorstadium abhängig. Wird der Tumor in einem frühen Stadium entdeckt, wird in erster Linie operiert. Allerdings liegt nur bei jedem dritten Tumor zur Diagnosestellung noch ein frühes Stadium vor. Das liegt u.a. an den unspezifischen Symptomen, die oft nicht ernst genug genommen werden. Typisch sind beispielsweise Schluckbeschwerden und Gewichtsverlust.

Meist ist der Tumor bei Diagnosestellung dann bereits fortgeschritten. Ist er noch nicht metastasiert, wird zunächst unterstützend ­mit einer kombinierten Chemo-/Strahlentherapie oder nur mit einer Chemotherapie ­ vorbehandelt (neoadjuvante Behandlung) und danach mit dem Ziel der Heilung operiert. Die Vorbehandlung verbessert die Chance auf Heilung der Betroffenen im Vergleich zur herkömmlichen alleinigen chirurgischen Behandlung signifikant. Die Operation führt jedoch bei den Betroffenen häufig zu Problemen wie Gewichtsverlust, Rückfluss von Magensäure in den Hals, Verdauungsbeschwerden oder Schluckstörungen. Das schmälert die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich.

April ist Speiseröhrenkrebs Aktionsmonat

Die Standardtherapie von Speiseröhrenkrebs ist für Betroffene oft belastend. Eine Studie im Rahmen der Dekade prüft ein alternatives Vorgehen.

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Nun sehen Forschende des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck und der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Verbesserungspotential für die Betroffenen. Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs wurde die jetzt endende Konzeptentwicklungsphase der praxisverändernden Studie ESORES gefördert, die prüfen will, ob und bei welchen Patientinnen und Patienten nach gutem Ansprechen auf die (Radio-)Chemotherapie auf eine nachfolgende Operation womöglich verzichtet werden kann. ESORES steht dementsprechend für eine Abkürzung aus den englischen Worten: „ESOphagus“ (Speiseröhre) und „RESponse“ (Antwort; im medizinischen Sinne: positives Ansprechen auf eine Therapie).

Worin liegt das Verbesserungspotential

Hintergrund: Durch die Verbesserung neoadjuvanter Therapien sind heute bei 16 bis 49 Prozent der Patientinnen und Patienten nach der (Radio-)Chemotherapie keine lebenden Tumorzellen mehr im herausoperierten Gewebe nachweisbar. Das eröffnet die Möglichkeit, diejenigen Betroffenen zu identifizieren, die auf die Vorbehandlung besonders gut ansprechen (Komplett-Responder) und ihnen potenziell unnötige und ggf. sogar schädliche Operationen zu ersparen.

Denn der bislang grundsätzlich durchgeführte operative Eingriff, bei dem nach der neoadjuvanten Therapie noch ein Teil der Speiseröhre entfernt wird, führt bei 6 bis 11 Prozent der Patientinnen und Patienten zum Versterben und 60 bis 80 Prozent erleiden eine Komplikation. Darunter weniger schwere wie eine Wundheilungsstörung, möglich sind aber auch schwere wie eine Lungenentzündung oder -embolie.

Operation „as needed“

Die Studie will daher prüfen, ob bei Erkrankten, deren Tumor sich nach (Radio-)Chemotherapie erfolgreich zurückgebildet hat, ohne Nachteile eine  wait-and-watch-Strategie angewandt werden kann. Dafür wird eine Gruppe von Patientinnen und Patienten nicht von vornherein mit einer belastenden Therapie nachbehandelt, sondern die Entwicklung des Tumors zunächst engmaschig beobachtet. Nur bei lokal weiter bestehendem Tumor oder lokal zurückkehrendem Tumor, werden die Betroffenen operiert. Dieses Herangehen wird mit der Standardbehandlung (neoadjuvante Therapie und Operation danach in jedem Fall) verglichen, das die Kontrollgruppe der Studie erhält.

Wichtigstes Ergebnis der Studie wird sein, ob bei der Gruppe mit der watch-and-wait-Strategie der Verzicht auf eine Operation das onkologische Ergebnis wie Rückfallraten oder die Überlebenszeit beeinträchtigt.

Ein Ziel der Dekade gegen Krebs ist der verstärkte Einbezug von Betroffenen in die Forschung. Daher werden die Sichtweisen und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in einer vorgeschalteten Pilotstudie explizit erfragt und in die Planung und Durchführung der Hauptstudie einbezogen.

Was in der Konzeptentwicklungsphase gemacht wird

Die Konzeptentwicklungsphase von ESORES beinhaltete drei ineinander verzahnte Projekte zur Vorbereitung des endgültigen Studienantrags für Haupt- und Pilotstudie:

1. Organisatorische Planung der Studie: Information der zuständigen Gremien der medizinischen Fachgesellschaften der beteiligten medizinischen Disziplinen über das Studienvorhaben, um eine breite multidisziplinäre Unterstützung zu erreichen.
Die Rekrutierung der teilnehmenden Zentren sowie Planung und Abschätzung der erwarteten Patientenrekrutierung, sowie das Vorbereiten und Schreiben des endgültigen Antrags auf Förderung für Pilot- und Hauptstudie.
 

2. Die Erhebung des aktuellen Forschungsstands zu dem Thema durch Literaturrecherche und -analyse bereits veröffentlichter, unveröffentlichter und laufender Studien oder entsprechender Reviews zur Fragestellung der Studie (Scoping Review).
 

3. Die Vorbereitung der Pilotstudie, die die Wünsche, Bedürfnisse und Präferenzen der Betroffenen ermitteln soll. Dazu wird ein Fragebogen für ein Patienteninterview entwickelt. Zudem soll erhoben werden, wie Patientinnen und Patienten am besten informiert werden können, um ihnen eine aktive Beteiligung an der Behandlungsentscheidung zu ermöglichen. Die Forschenden erwarten, dass der Informationsprozess auch wesentlich für den Rekrutierungsprozess sein und die Zustimmung der Probandinnen und Probanden zur zufälligen Zuteilung zu einer Studiengruppe verbessern wird.

Die Förderung der Studie ist zweistufig; nach Prüfung des erarbeiteten Studienkonzepts wird voraussichtlich im April 2021 über die Weiterförderung der Studiendurchführung im Rahmen der Dekade entschieden. Das betrifft alle 13 ausgewählte Projekte, die im Rahmen der Dekade gegen Krebs in ihrer Planung gefördert werden.