5 Fragen an Wolfgang Knauf

Wolfgang Knauf ist Vorsitzender des Berufsverbandes Niedergelassener Hämatologen und Onkologen (BNHO). Er setzt sich dafür ein, dass die wohnortnahe fachärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten durch sicheren Datentransfer verbessert wird.

Wolfgang Knauf ist Vorsitzender des Berufsverbandes Niedergelassener Hämatologen und Onkologen (BNHO). Er setzt sich dafür ein, dass die wohnortnahe fachärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten durch sicheren Datentransfer verbessert wird.

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BNHO

Herr Knauf, ein Großteil der Behandlungen werden von den niedergelassenen Onkologen geleistet. Wie unterscheidet sich die ambulante Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten durch niedergelassene onkologische Praxen von der in der Klinik?

Ein Großteil der medikamentösen Behandlungen kann ambulant verabreicht werden, sei es in einer Praxis oder in einer Klinikambulanz. Hier besteht also kein Unterschied. Dieser liegt häufig in der Wohnortnähe der Praxis und der dortigen personellen Kontinuität der ärztlichen Betreuung. Während in den Kliniken immer wieder Personalrotationen – auch zu Ausbildungszwecken – erfolgen, finden die Patientinnen und Patienten in der Praxis über viele Jahre hinweg die vertrauten Fachärztinnen und Fachärzte vor. Auf individuelle Bedürfnisse kann schnell eingegangen werden.

Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht die Krebsforschung für die Arbeit der niedergelassenen Onkologen; besonders auch in Bezug auf die zukünftig noch stärker personalisierte Krebsversorgung?

Die niedergelassenen Onkologen legen großen Wert darauf, neue Therapien möglichst schnell in die Breite der Versorgung einzubringen. Durch die Vernetzung mit forschenden Zentren, z.B. über gemeinsame Fallkonferenzen, gelingt ein schneller Transfer von Innovationen in die Praxis. Von dort werden wiederum über die Teilnahme an Studien und wissenschaftlichen Netzwerken Daten aus der Praxis zurückgespiegelt. Solche „kommunizierenden Röhren“ bilden die Basis für eine wissengenerierende Versorgung. 

Welche Rolle spielen die onkologischen Schwerpunktpraxen für die wohnortunabhängige Versorgung und welche Herausforderungen bringt das mit sich?

Die modernen Technologien erlauben Datenaustausch und Kommunikation nicht nur zwischen Praxis und forschender Klinik, sondern auch unmittelbar mit Betroffenen und deren Angehörigen. Dies erlaubt eingeschränkt mobilen Patientinnen und Patienten, sich über große Entfernungen hinweg fachärztlichen Rat einzuholen. Die Herausforderung besteht in einer Harmonisierung der Technologie und der Sicherstellung der Privatsphäre. 

Krebs ist eine der komplexesten Krankheiten. Moderne Diagnose und Behandlung benötigt eine gut abgestimmte Teamarbeit. Wie gestaltet sich der Austausch in der Onkologie über die Sektorengrenzen hinweg?

Seit langem sind in der Onkologie gemeinsame Fallkonferenzen mit Klinikern unterschiedlicher Fachrichtungen und den niedergelassenen Onkologen etabliert, sei es in den zertifizierten Organzentren oder allgemeinen Tumorkonferenzen. Häufig pendeln Betroffene in unterschiedlichen Krankheitsphasen zwischen stationärer und ambulanter Behandlung. Im regionalen Umfeld einer onkologischen Fachpraxis gibt es immer eine kooperierende Klinik, mit der diagnostische und therapeutische Schritte abgestimmt werden können.

Ein Ziel der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) ist die engere Vernetzung von Forschung und Versorgung. Wie kann aus Ihrer Sicht im Rahmen der NDK der Weg zwischen Forschung und Versorgung verkürzt und möglichst „barrierefrei“ gestaltet werden?

Dringend notwendig sind der Abbau des bürokratischen Aufwands, um an klinischen Studien teilnehmen zu können, die finanzielle und personelle Unterstützung beim Aufbau tragfähiger digitaler Netzwerkstrukturen auch im Bereich der Niedergelassenen Onkologen sowie die Etablierung partnerschaftlich genutzter Datenbanken.